Es sei ein fundamentales demokratisches Prinzip, dass ein Angeklagter Anspruch auf einen Verteidiger habe, sagte Geir Lippestad bei einem seiner ersten Auftritte als Anwalt von Anders Behring Breivik. Seine Pflicht sei es, dieses Recht zu gewährleisten. Auch wenn die Taten unbegreiflich seien, so wie die Anschläge, die Breivik gestanden hat.
Benannt hatte Breivik seinen Verteidiger schon kurz nach seiner Festnahme am Freitag. Offenkundig hatte er sich schon vor langer Zeit für den 47-Jährigen entschieden. In seinem 1500-seitigen Pamphlet schreibt er, dass sein zukünftiger Anwalt seine Taten nicht billigen müsse. Aber er solle „nationalistisch orientiert“ und bereit sein, seine ideologischen Standpunkte zu verteidigen.
Es ist zweifelhaft, ob Breivik in Lippestad den richtigen Mann gefunden hat. Man merkt es dem Verteidiger in Interviews an, wie sehr er mit dem Mandat hadert. Wenn er nach den Motiven des Attentäters gefragt wird, dann sucht er nach Worten und findet Formulierungen wie jene, die am Wochenende in aller Welt für Schlagzeilen sorgte: „In seinem Kopf waren die Taten grausam, aber notwendig.“ Einen Zugang zu diesem Kopf scheint Lippestad bislang nicht gefunden zu haben.
Lippestad verteidigte einst einen Neonazi
Auch Lippestads Vita macht ihn nicht verdächtig, Sympathien für die kruden, anti-muslimischen und anti-sozialdemokratischen Thesen zu hegen, die Breivik in seinem Pamphlet ausbreitet. Im Gegenteil: Der Jurist ist selbst Mitglied der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die Breivik mit seinen Anschlägen ins Mark traf. Bis vergangenes Jahr war er zweiter Vorsitzender in seinem Ortsverband. Außerdem engagierte er sich in Wohltätigkeitsvereinen. Viele seiner Genossen hätten nicht verstanden, wie er das Mandat habe annehmen können, sagt Lippestad.
Diesem Unverständnis begegnet er freilich nicht zum ersten Mal. Schon vor knapp zehn Jahren stand Lippestad im Rampenlicht. Er verteidigte damals einen Neonazi, der einen 15-Jährigen wegen dessen dunkler Hautfarbe erstochen hatte. Lippestad plädierte damals auf Freispruch, er zweifelte an, dass sein Mandant tatsächlich das Messer geführt und seine Komplizen angestachelt habe. Es ist denkbar, dass Breivik deswegen auf Lippestad gekommen ist. Am Urteil kann es aber nicht gelegen haben. Lippestads damaliger Mandant wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.
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