Erfurt. Die Grünen haben ihrem Bundestags-Fraktionschef Fritz Kuhn eine herbe Niederlage beschert. Der 53-jährige ehemalige Parteivorsitzende verpasste beim Parteitag in Erfurt am Samstagabend knapp den Wiedereinzug in den Parteirat.
Kuhn erhielt mit 393 Stimmen nur 6 Stimmen weniger als der Finanzexperte der Fraktion, Gerhard Schick, der somit neu in das Gremium gewählt wurde. Kuhn war sichtlich betroffen. Eine Stellungnahme gab er im Anschluss nicht ab.
Fraktionschefin Renate Künast sagte: "Wir sagen jetzt erst einmal nichts dazu. Das ist ja auch einmal ein Weg, damit umzugehen." 2005 war Kuhn Wahlkampfmanager der Grünen und 2000 bis 2002 Bundesvorsitzender.
Kuhn erhielt 52 Prozent, was aber nicht reichte, da sieben Männer besser als er abschnitten. Einen weiteren Platz für einen männlichen Bewerber gab es aus Satzungsgründen nicht. Vergeblich hatte Kuhn dafür geworben, dass er die soziale Kompetenz der Grünen in den Parteirat einbringen wolle.
Er wolle nicht in das Gremium einziehen, weil er Fraktionschef sei, sondern weil er im Wahlkampf mit Rezepten gegen Rezession und Arbeitslosigkeit kämpfen wolle. Ihm war von Mitgliedern intern autoritärer Führungsstil vorgeworfen worden.
Kuhn wird nachgesagt, er sei hauptverantwortlich dafür, dass der neue Parteichef Cem Özdemir in Baden-Württemberg keinen aussichtsreichen Listenplatz für den Bundestag bekommen hatte. Unmut gab es auch, weil er dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan ungeachtet der kritischen Haltung der Basis zugestimmt hatte.
Künast erhielt bei der Parteiratswahl 78,7 Prozent. Auf Fraktionsvize Jürgen Trittin entfielen 75,9 Prozent. Beide wollen an diesem Sonntag zu Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2009 gekürt werden.
Ferner gewählt wurden die Hamburger Umweltsenatorin Anja Hajduk (68,9 Prozent), die Europaabgeordnete Rebecca Harms (78,6), die sächsische Fraktionschefin Antje Hermenau (75,2), Fraktionsvize Bärbel Höhn (83,9) und die bayerische Landeschefin Theresa Schopper (76,7).
Zu den gewählten Männer zählen noch Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck (66,4), der Politikstudent Arvid Bell (74,2), der Bremer Umweltsenator Reinhard Loske (74,4), der Berliner Fraktionschef Volker Ratzmann (58,2), sowie der hessische Fraktions- und Landeschef Tarek Al-Wazir (79,1). Die beiden Bundesvorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir sowie Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke gehören dem Gremium kraft Amt an. (dpa)
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