Berlin. Er nutzt die neugewonnene Popularität, nachdem der Rücktritt von Margot Käßmann an die Spitze des Rats der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gespült hat. Nicolaus Schneier kritisiert beim Rundfunksender WDR 5, beim Thema Hartz IV habe es in letzter Zeit eine "etwas ärgerliche Debatte" gegeben. Auch das von Käßmann angestoßene Thema Afghanistankrieg bleibe aktuell.
Der 61 Jahre alte Präses der evangelischen Landeskirche im Rheinland war auf der EKD-Synode im Oktober zu Käßmanns Stellvertreter gewählt worden. Nachdem die Ratsvorsitzende am Mittwoch als Konsequenz aus ihrer Trunkenheitsfahrt zurückgetreten war, übernahm Schneider kommissarisch ihren Posten. Ein regulärer Nachfolger für Käßmann wird auf der nächsten EKD-Synode bestimmt, die vom 5. bis 10. November in Hannover stattfindet.
Kritik an Westerwelle
Kritik übte Schneider am FDP-Vorsitzenden und Außenminister Guido Westerwelle wegen dessen Äußerungen zu Hartz IV. Der Liberale habe sich "mit etwas merkwürdigen Formulierungen hervorgetan", sagte der neue EKD-Spitzenmann. Mit seinen Äußerungen über angeblich "leistungslosen Wohlstand" zeichne er ein falsches Bild vom Leben der Hartz-IV-Empfänger. Im Vergleich mit anderen Industrieländern sei die Leistungshöhe in Deutschland unterdurchschnittlich. Zudem bringe Westerwelle Steuerzahler gegen Arme auf.
Fragen der sozialen Gerechtigkeit seien für ihn schon immer "ganz wichtig" gewesen, betonte Schneider am Mittwochabend in der ARD. Er werde für Menschen eintreten, die ihre Stimme selbst nicht erheben könnten. Auch die von Käßmann angestoßene kritische Debatte um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan werde er fortführen, kündigte Schneider auf WDR 5 an.
Käßmann hatte sich in in ihrer Neujahrspredigt skeptisch zur Rolle der Bundeswehr in Afghanistan geäußert und eine kontroverse Diskussion ausgelöst. (afp)
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