Washington/Sanaa. El-Kaida-Stellungen im Jemen geraten nach dem vereitelten Flugzeug-Attentat von Detroit offensichtlich immer mehr ins Visier der US-Militärs.
Aus Furcht vor einem Attentat schlossen die Regierungen in London und Washington derweil am Sonntag ihre Botschaften im Jemen. Es gebe Hinweise dafür, dass Al-Kaida einen Anschlag in der Hauptstadt Sanaa plane, sagte der Berater von US-Präsident Barack Obama für Heimatschutz und Terroristenabwehr, John Brennan, im Fernsehsender CNN. "Wir wissen, dass die Al-Kaida da draußen ist. Wir wissen, dass wir auf unsere Schritte acht geben müssen." Obama will sich am Dienstag mit den Chefs der amerikanischen Geheimdienste treffen, um Konsequenzen aus dem Detroiter Anschlagsversuch zu ziehen.
~ Der Jemen
Die Republik Jemen ist eines der ärmsten Länder der Welt und das ärmste Land im Nahen Osten. Vom afrikanischen Kontinent ist das Land am südwestlichen Zipfel der arabischen Halbinsel nur wenige Kilometer entfernt, lediglich getrennt durch die Meerenge am Golf von Aden. Wüstenregionen prägen die Landschaft.
Etwa 75 Prozent der Bevölkerung leben außerhalb der wenigen großen Städte. In den Großstädten ziehen die charakteristischen Hochbauten aus Lehm die Touristen an. Die in diesem Stil errichtete Altstadt der Hauptstadt Sanaa wurde von der UNESCO schon früh zum zum Weltkulturerbe erhoben.
Der Jemen ist mit knapp 528.000 Quadratkilometern deutlich größer als Deutschland (rd. 357.000 Quadratkilometer), hat aber nur knapp 20 Millionen Einwohner.
Wie US-Medien am Samstag berichteten, flog der Top-General David Petraeus zu einem Gespräch mit dem jemenitischen Präsidenten Ali Abdallah Saleh nach Sanaa. Bei dem Treffen sei es vor allem um verstärkte Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf gegangen.
Wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtete, bot Saleh dabei weitere Hilfe seines Landes für amerikanische Anti-Terror-Aktionen an. Einzelheiten wurden allerdings nicht genannt.
US-Medien hatten bereits vor Tagen berichtet, US-Militärs würden bereits mögliche Ziele für Angriffe auf El-Kaida-Stellungen im Jemen auskundschaften. Die Militärs wollten für den Fall vorbereitet sein, falls Präsident Barack Obama den Befehl zum Angriff geben sollte.
Obama selbst hatte am Samstag erstmals öffentlich das Terrornetzwerk El Kaida im Jemen beschuldigt, hinter dem vereitelten Flugzeug-Attentat von Detroit zu stecken. Der Täter Umar Farouk Abdulmutallab sei in den Jemen gereist, wo ihn die regionale El- Kaida-Organisation ausgebildet und mit Sprengstoff versorgt habe, sagte Obama. Der junge Nigerianer sei Mitglied der Organisation geworden. Obama unterstrich, dass sich die jemenitische El-Kaida- Fraktion schon seit längerem auf US-Ziele konzentriere.
Petraeus - Kommandeur des Central Command für Nahost und Zentralasien - hatte erst kürzlich eine Verdoppelung der Militär- und Sicherheitshilfen für den Jemen versprochen. Bislang erhalte das Land rund 70 Millionen Dollar Hilfen pro Jahr.
Ähnliche Sorgen bereitet Somalia der internationalen Anti-Terror-Bewegung. Dort kontrolliert die von Al-Kaida inspirierte islamistische Rebellenbewegung Al-Schabaab weite Teile im Süden und Landesinneren. Al-Schabaab kündigte am Wochenende zudem ihre Unterstützung für die Kämpfer im Jemen an. Großbritannien und die USA wollten sich daher beim UN-Sicherheitsrat für eine Verstärkung der Friedenstruppen im ostafrikanischen Somalia einsetzen, sagte die Sprecherin. (dpa/rtr)
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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