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El-Sherbini-Prozess: Geständnis, aber keine Reue

Nach wochenlangem Schweigen gesteht der Angeklagte im Prozess um den Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini die Tat. Sein Motiv sei jedoch nicht Fremdenhass gewesen, sagt er. Von Bernhard Honnigfort

Der Angeklagte Alex W. wird in den Verhandlungssaal gebracht.
Der Angeklagte Alex W. wird in den Verhandlungssaal gebracht.
Foto: dpa

Er kam wie immer, gebeugt, eine Skimaske und Sonnenbrille verdeckten das Gesicht, die Kapuze tief herunter gezogen. Alles war wie in den sechs Verhandlungstagen zuvor am Dresdner Landgericht. Alex W. versteckte sich. Doch am Mittwoch hat der 28-jährige Deutschrusse, der am 1. Juli im Saal 10 des Landgerichts die 31-jährige Ägypterin Marwa El-Sherbini erstach und ihren Mann lebensgefährlich verletzte, sein Schweigen gebrochen.

Er ließ seinen Anwalt Veikko Bartel eine Erklärung verlesen, ein Geständnis. Es waren sechs Blätter, die Alex W. unterschrieben hatte. Sie enthielten alles mögliche, aber keine Worte der Reue oder des Bedauerns, keinen Versuch, um Verzeihung zu bitten oder sich zu entschuldigen: "Heute kann ich es selbst nicht verstehen, warum ich das Verbrechen begangen habe", verlas der Anwalt die Worte seines Mandanten. "Es stimmt, dass ich eine ausländerfeindliche Gesinnung habe, aber das ist nicht das Motiv."

Alex W. war im vergangenen Sommer auf einem Dresdner Spielplatz mit der ägyptischen Apothekerin in Streit geraten. Sie hatte, so berichteten es Zeugen, freundlich gefragt, ob er für ihr Kind eine Schaukel freimachen könne. Alex W. rastete damals aus, beschimpfte sie als "Terroristin" und "Islamistin", was sich die Frau nicht gefallen ließ. Sie zeigte ihn wegen Beleidigung an, es gab einen Prozess mit Geldstrafe am Amtsgericht und im Sommer 2009 die Berufungsverhandlung vorm Landgericht.

Die Frau hatte gerade ihre Zeugenaussage beendet, als Alex W. sich mit einem Messer auf sie stürzte, 18 mal auf sie einstach und dann den Ehemann verletzte, der seine Frau retten wollte. Gerade zwei Minuten dauerte das Verbrechen. Die im dritten Monat schwangere Frau verblutete im Gericht, ihr Mann, der mit dem Täter kämpfte, wurde auch noch versehentlich ins Bein geschossen, als ein Polizist helfen wollte. Der dreijährige Sohn sah alles mit an. Die Dresdner Staatsanwaltschaft geht von Mord aus, begangen aus fanatischem Fremdenhass.

Er sei depressiv und geschockt gewesen, beschrieb Alex W. seinen Zustand vor der Tat. Er habe sich durch das Urteil des Amtsgerichts depressiv und vom Staat schikaniert gefühlt, habe sich in den Wochen vor der Verhandlung mit Alkohol betäubt.

Und an jenem Gerichtstag im Juli, als der Richter Alex W.s Frage nicht zulassen wollte, warum denn die Ägypterin überhaupt in Deutschland sei, da hebe er sich "den Auftrag gegeben aufzustehen und auf sie loszugehen".

Keine Worte des Mitleids mit den Opfern. Nur Mitleid mit sich: Nachdem er festgenommen wurde, so sein Anwalt, habe Alex W. "bedauert, dass es geschehen sei, dass ich mein Leben versaut habe und nicht selber bei der Aktion erschossen wurde". Ein Polizist hatte nach der Tat als Zeuge ausgesagt, W. habe darum gebeten, erschossen zu werden.

Das war die Erklärung. Es dauerte wenige Minuten, sie zu verlesen. Anschließend von Richterin Birgit Wiegand danach gefragt, ob er für weitete Auskünfte bereit stehe, antwortete er mit "Nein" und verfiel wieder in sein Schweigen.

Alex W. steht seit dem 26. Oktober vor Gericht. Sein Fall sorgte in Ägypten und der arabischen Welt für Aufruhr und Empörung. Weil Anschläge auf sein Leben befürchtet werden, ist das Dresdner Gericht zu einer Festung ausgebaut worden, die an jedem Verhandlungstag schärfstens von 200 Polizisten bewacht wird.

Worte des Bedauerns hatte am Wochenende seine Mutter gefunden. Einer Boulevardzeitung hatte sie gesagt: "Es tut mir so leid um die Frau, um ihr ungeborenes Kind, um den Sohn, der alles mit ansehen musste." Alex. W. hat sich furchtbar über das Interview aufgeregt.

Autor:  Bernhard Honnigfort
Datum:  4 | 11 | 2009
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