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17. Februar 2011

Elitenforscher: "Mit dem Doktortitel signalisiert man, etwas Feineres zu sein"

Plagiate sind kein neues Phänomen. Thomas Mann etwa bekannte sich offen dazu, abgeschrieben zu haben. In seinen "Buddenbrooks" stirbt am Ende der junge Hanno an Typhus. Dafür bediente sich der Schriftsteller aus einem medizinischen Fachbuch. Dadurch, dass er die nüchterne Beschreibung des Krankheitsverlaufs im Kontext seines Romans wiedergibt, wirkt diese jedoch völlig anders - nämlich zutiefst schockierend Foto: dpa

Michael Hartmann, 58, ist Professor für Soziologie an der TU Darmstadt und forscht über Eliten. Im FR-Interview spricht er über den Wert des Titel in der Politik und in der Wirtschaft.

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Herr Hartmann, ist der Doktor- oder Professorentitel auch im 21. Jahrhundert noch wichtig als Statussignal?

Der Doktortitel hat in manchen Bereichen an distinktivem Potenzial verloren, er markiert aber immer noch einen Unterschied zu denjenigen, die ihn nicht haben. Bei Ärzten, wo der Doktortitel praktisch der Normalfall ist, bedeutet der fehlende Doktortitel auf dem Schild einen klaren Konkurrenznachteil. Bei Anwälten ist der Doktortitel ein Konkurrenzvorteil, denn da ist dieser Titel noch die Ausnahme. Da nimmt ein Teil der möglichen Klienten an, dass dieser Anwalt fachlich besser ist. Ob das dann immer stimmt, ist eine andere Frage.

Wo ist der Titel wichtiger – in der Wirtschaft oder in der Politik?

In der Wirtschaft wirkt sich der Doktortitel auch direkt im Portemonnaie aus. Laut Gehaltsuntersuchungen bedeutet er bei Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern oder Ingenieuren im Schnitt ein Plus von 10.000 Euro beim Jahresgehalt. Da es jedoch jährlich rund 25.000 Promotionen gibt, ist der Doktortitel auch nicht mehr so selten. Weil bei Spitzenmanagern seit eh und je jeder Zweite einen Doktortitel hat, ist für die Chefetage der Professorentitel viel reizvoller.

Und in der Politik?

In der Politik nützt der Doktortitel nur beschränkt was. Hier war der Akademisierungsgrad jahrzehntelang viel geringer als in der Wirtschaft, doch das hat sich geändert. Im Bundestag haben inzwischen bestimmt 80 Prozent der Abgeordneten ein abgeschlossenes Studium, bei den jüngeren ist das fast obligatorisch. Da kann man noch einen Doktor draufsetzen, um sich zu unterscheiden und zu signalisieren, etwas Feineres zu sein. Einen Doktor dürften rund 20 Prozent der Abgeordneten haben.

Minister Guttenberg hat den Doktor neben seiner politischen Karriere gemacht – auch noch mit „summa cum laude“. Geht das so nebenbei?

Schwer zu sagen – bei Chemikern oder Physikern sicher nicht. Bei Medizinern geht man davon aus, dass die Doktorarbeit eher Diplom-Niveau hat. Bei Juristen oder Betriebswirtschaftlern hängt es davon ab, wo und bei wem man den Doktor macht. Wie eng werden die wissenschaftlichen Kriterien angelegt? Da gibt es Schwankungen, und die könnten auch im Fall Guttenberg eine Rolle gespielt haben. Nebenbei kann man eine ordentliche Doktorarbeit machen – aber eine hervorragende? Da habe ich doch große Zweifel.

Interview: Hans-Hermann Kotte

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