Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) pflegt seine Quartiere für Großereignisse traditionell sehr frühzeitig zu buchen. Das hat den Vorteil, dass die Unterkunft in der Regel perfekt ausgestattet ist. Aber es kann auch bedeuten, dass der für die Reiseplanungen verantwortliche Wolfgang Wirthmann schwierigste logistische Fragen zu beantworten hat. Bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine, so viel steht seit Freitag, 18.52 Uhr, fest, ist der ganze Wirthmann gefordert. Die drei Vorrundenspiele der in Danzig beherbergten Deutschen finden in den ukrainischen Spielorten Lemberg (Lwiw) und Charkow statt. Entfernung nach Charkow, wo im zweiten Gruppenspiel der Clash gegen die Niederlande stattfindet: 1 500 Kilometer. Entfernung nach Lemberg, wo die deutsche Auftaktbegegnung gegen Portugal und das womöglich entscheidende Spiel gegen Dänemark ausgetragen wird: 700 Kilometer. „Die Logistik ist nicht einfach“, sagte Manager Oliver Bierhoff in seiner ersten Reaktion und fand sogar Gutes im Losunglück: „Ganz gut, das die Euphorie etwas gedrückt wird. Das war mir zuletzt sowieso zu viel Hochjubeln.“ Kann man so sehen, muss man aber nicht.
Die Nächte werden jedenfalls kurz, ganz egal, ob der Deutsche Fußball-Bund noch nachts oder erst tags darauf den Rückflug planen wird. Denn das DFB-Team ist die einzige Mannschaft dieser Gruppe, die dreimal erst um 20.45 Uhr MEZ gegen den Ball tritt. Da sie zudem bereits am 9. Juni, dem zweiten EM-Tag, gefordert ist, wird eine entsprechend frühe Anreise nötig sein. Gegnerschaft, Anreisewege, Anstoßzeiten, Vorbereitungszeit: Schwieriger hätte es kaum kommen können.
„Ich glaube, dass dies die schwerste, stärkste und ausgeglichenste Gruppe ist. Niederlande und Portugal haben Weltklassespieler, da kann man sich auf interessante Duelle freuen. Dänemark ist eine unbequeme Turniermannschaft. Die Dänen können die Rolle des Underdogs übernehmen, gegen alle unbelastet antreten. Das macht sie gefährlich.“ Joachim Löw, Bundestrainer
„Ich habe alle Trainer unserer Gruppe gesehen, ich habe dabei keinen fröhlichen gesehen. Alle sind sich einig, dass das die schwerste Gruppe ist. Das hat den Vorteil, dass ich und auch die Spieler jetzt schon motiviert sind. Wir kennen alle Gegner aus der Vergangenheit und Deutschland noch von vor ein paar Wochen.“ Bert van Marwijk, Trainer Niederlande
„Ich denke, das ist eine schwierige Gruppe, eine Dynamit-Gruppe, in der Deutschland der Favorit ist. Natürlich sind wir in absolut jeder Beziehung Außenseiter. Aber wir hoffen, dass wir die Entscheidung beim letzten Spiel gegen Deutschland selbst in der Hand haben.“ Morten Olsen, Trainer Dänemark
„Schwerer hätte die Gruppe nicht kommen können. Wir freuen uns aber auf Spiele gegen große Gegner und wir werden unsere Chance suchen. Deutschland und Holland sind aber sicherlich die großen Favoriten.“ Paulo Bento, Trainer Portugal
Entsprechend wenig amüsiert sah Bundestrainer Joachim Löw aus, als der schon bei der EM 1988 wenig rücksichtsvolle einstige niederländische Weltklassestürmer Marco van Basten Deutschland kalt lächelnd der Gruppe B zuloste. Der Bundestrainer hatte sich in den Tagen zuvor als personifizierte Ruhe selbst präsentiert. Bei Großereignissen ist er Drucksituationen gewohnt: Sowohl bei der EM 2008 als auch bei der WM 2010 entschieden die Seinen erst mit 1:0-Siegen im letzten Gruppenzitterspiel (gegen Österreich und Ghana) über Wohl und Wehe.
Löw lutschte abwechselnd an Kugelschreiber und Zeigefinger
Löw lutschte während der Zeremonie im Kunstpalast zu Kiew geraume Zeit sichtbar nervös abwechselnd auf einem Kugelschreiber und einem Zeigefinger herum. Er bewahrte dann tapfer Haltung, als er die Gruppe B als „stärkste, interessanteste und ausgeglichenste Gruppe“ diagnostizierte, statt einer „Hammergruppe“ aber lieber gleich von einer ganzen „Hammer-EM“ sprach. Oliver Bierhoff ging derweil offenbar davon aus, dass die deutsche Mannschaft Gruppenerster wird. „Wenn wir weiterkommen, haben wir ein Viertel- und Halbfinale in Warschau und Danzig.“ Was indes als Gruppenzweiter bedauerlicherweise nicht der Fall wäre: Dann müsste der 60-Mann-Tross zum Halbfinale nach Donezk. Entfernung von Danzig: Mehr als 1 800 Kilometer. Anstoß: natürlich erst 20.45 Uhr.
Vor dem Rückflug am Samstagmittag lud die Uefa die deutsche Delegation noch eine volle Stunde zum Informationsgespräch. Es gab für Oliver Bierhoff, seinen Büroleiter Georg Behlau und den Logistikexperten Wirthmann Einblick in einige streng gehütete Geheimnisse. So wird, so die Deutsche Post will, schon nächste Woche ein Paket mit 30 fabrikfrischen EM-Bällen der Sorte Tango 12 in der DFB-Zentrale eintreffen. Erstkontakt mit dem fast 130 Euro teuren Spielgerät werden Löws junge Männer im DFB-Trikot aber erst am 29. Januar in Bremen gegen Frankreich erleben.
Der letzte Nationaltrainer, der den Fehler beging, Cristiano Ronaldo nicht spielen zu lassen, war Luiz Felipe Scolari. Eine Halbzeit lang glaubte der Brasilianer bei der EM 2004 in Portugal, auf den damals 19-Jährigen verzichten zu können, dann korrigierte er seinen Fehler. Ronaldo konnte die Auftakt-Niederlage gegen Griechenland nicht mehr verhindern, spielte aber ein glänzendes Turnier, bis im Finale erneut Griechenland das wohl beste portugiesische Team stoppte, das es je gab. An diese Leistungen konnte der Stürmer von Real Madrid trotz Platz vier bei der WM 2006 im Nationalteam nicht mehr anknüpfen. Vor allem, wenn es darauf ankam, wie im EM-Viertelfinale 2008 gegen Deutschland (2:3) oder WM-Achtelfinale 2010 gegen Spanien (0:1), war von ihm wenig zu sehen. Dass sich diese fatale Strähne fortsetzt, darauf sollte sich aber niemand verlassen. In Spaniens Liga trifft er nach Belieben, und in der Relegation brillierte er beim 6:2 gegen Bosnien auch wieder im Nationaltrikot. Portugal, soviel steht fest, ist Cristiano Ronaldo. mali.
Wer glaubt, Dänemark sei der Gegner in der deutschen Gruppe, der mal eben mit dem Außenrist zu bezwingen sei, irrt gewaltig. Die Dänen haben nämlich ein paar richtig gute Fußballer wie Nicklas Bendtner und Dennis Rommedahl im Kader, assistiert werden die Stürmer von einigen jungen, international aber noch unbefleckten Spielern. An Erfahrung mangelt es Morten Olsen wiederum gar nicht. Der Nationaltrainer repräsentiert die dänische Hoffnung auf die Sensation, die da wäre: Erreichen des Viertelfinales. Glaubt man der dänischen Presselandschaft, war es vor allem Olsen, der die rot-weiße Equipe überraschend zum Gruppensieg gegen Portugal führte. In der entscheidenden Partie besiegte seine Elf die Portugiesen 2:1, Olsen weiß also, wie man gegen Ronaldo und Co. bestehen kann. Der 62-Jährige spielte zudem einst für den 1. FC Köln, trainierte ihn ebenso wie den niederländischen Klub Ajax Amsterdam. Olsen soll seine Kontakte spielen lassen, Insiderinfos besorgen. Nur Tore schießen müssen die Spieler bitte schön selbst. tin.
Beim Testländerspiel gegen das deutsche Team im November in Hamburg wirkte Mark van Bommel manchmal wie ein Verkehrspolizist, der sich auf eine Formel-1-Piste verirrt hat. Links und rechts sauste es an ihm vorbei, während er ratlos um sich schaute und sichtlich überfordert war von der Situation. Nicht einmal seine gefürchteten Tacklings konnte er an den Mann bringen, zu schnell waren die deutschen Spieler bei ihrem 3:0-Sieg außerhalb seiner Reichweite. Das defensive Mittelfeld mit van Bommel und die dahinter postierte Viererkette sind die große Hoffnung aller Kontrahenten der Niederländer bei der EM. Für sie geht es darum, mindestens ein Tor mehr zu schießen als der formidable holländische Angriff auf der anderen Seite. Dieser sucht seinesgleichen in Europa, wenn Robin van Persie, Arjen Robben, Wesley Sneijder, Dirk Kuyt, Rafael van der Vaart und Klaas-Jan Huntelaar alle fit und in Form sind, dann herrscht in jeder Abwehrreihe Hochalarm. Und dann kann auch Verkehrspolizist van Bommel sehr viel besser seine Pflicht tun. mali.
Der ohnehin wegen der überraschenden, für 2012 avisierten Rücktrittsankündigung von DFB-Chef Theo Zwanziger recht aufgewühlte mehr als 50-köpfige DFB-Vorstand verfolgte die Auslosung derweil mit noch einmal so vielen Ehrengästen beim Stehempfang im Hotel Gravenbruch vor den Toren von Frankfurt. Als van Basten Deutschland zu seinen Landsleuten loste, ging ein hörbares Stöhnen durch die Reihen. Zuvor hatte das Präsidium brav abgenickt, dass das letzte EM-Vorbereitungsspiel Anfang Juni gegen einen noch unbekannten Gegner wie gewünscht in Leipzig stattfinden wird. Eine kluge Entscheidung aus Sicht von Wolfgang Wirtmann: Leipzig befindet sich von Löws Wohnort Freiburg exakt auf halbem Weg ins deutsche EM-Quartier im quirligen Badeort Sopot nahe Danzig.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.