Weg von Großkraftwerken: Eine SPD-Kommission will ein neues Energiekonzept vorlegen, dass ohne Atomkraft auskommt. Statt bei den vier großen Energielieferanten sollte die Energie überwiegend in Kommunen erzeugt werden.
Deutsche AKW und Atommülllager
Deutsche AKW und Atommülllager
Wird als Endlager geprüft: Gorleben - Der niedersächsische Salzstock wird derzeit für den Zweck der Endlagerung von wärmeentwickelnden radioaktiven Abfällen, also abgebrannte Brennelemente aus Kernkraftwerken und Rückständen aus der Wiederaufarbeitung, untersucht. Frühestens 2035 soll der Betrieb aufgenommen werden.
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Stillgelegt: Morsleben, in Sachsen-Anhalt liegend, war von 1981 bis 1998 als "Endlager" für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Betrieb. Im Zuge der derzeitigen Stilllegung werden rund vier Millionen Kubikmeter Salzbeton über Rohrleitungen in das Lager gepumpt.
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Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.
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Endlagerfrage: Wohin mit dem ganzen Atommüll? - Wenn sich die Bundesregierung auf ein oder mehrere Atom-Endlager einigen kann, besteht immer noch das Transportproblem für den strahlenden Müll. Anders als derzeit üblich per Castortransport ist diese logistische Leistung wohl nicht denkbar.
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Stilllegung von Isar I für 2011 geplant: Zehn Kilometer von Landshut und siebzig von München entfernt liegt das Kraftwerk Isar I und II. Während Isar II störungsfrei blieb, ist Isar I ein Sorgenkind: 1981 wurde der Meiler ein Jahr wegen Austauschs mangelhafter Rohrleitungen stillgelegt; 1988 beschädigten Knallgasexplosionen wichtige Ventile; 1991 erfolgt die Schnellabschaltung nach dem Ausfall von vier Umwälzpumpen.
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Erhöhtes Krebsrisiko: Die Atomkraftwerke Gundremmingen B und C sollen 2016 bzw. 2017 vom Netz genommen werden. Ernsthafte Störfälle sind bislang nicht bekannt geworden. In einem Umkreis von 15 Kilometern um das Kraftwerk lässt sich allerdings ein erhöhtes Aufkommen von Krebserkrankungen bei Kindern feststellen.
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Stuttgarter Stromlieferant: Im Jahr 1988 erbaut, soll Neckarwestheim II bis 2021 Strom produzieren. 2004 kam es zu einem Störfall, als eine geringe Menge Radioaktivität in den Neckar gelangte. Heilbronn liegt zehn, Stuttgart 25 Kilometer vom AKW entfernt.
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Auslaufmodell: Neckarwestheim I - Rechnerisch sollte der Meiler 2009 vom Netz gehen. Mit dem Mittel der Reststromübertragung läuft Neckarwestheim I noch bis zum Herbst 2010. Dann muss die Bundesregierung eine Entscheidung über die Stilllegung fällen.
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Das AKW Philippsburg liefert voraussichtlich bis 2012 (Philippsburg I) bzw. 2014 (Philippsburg II) Strom. Seit 1979/1981 sind die Reaktoren I und II in Betrieb. 1981 kam es in Philippsburg I zu einem mehr als einjährigen Stillstand wegen des Austauschs mangelhafter Rohrleitungen. 2002 und 2004 wurde radioaktiv verseuchtes Wasser freigesetzt.
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Eines von fünf bayrischen Atomkraftwerken: Grafenrheinfeld ist bislang störungsfrei geblieben. Die rechnerische Laufzeit endet im Jahr 2014.
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Laufzeit bis 2013: Biblis B - Auch der zweite hessische Meiler, seit 1976 in Betrieb, sollte 2010 vom Netz gehen. Die Reststromübertragung macht eine Laufzeit bis 2013 wahrscheinlich. 1995 trat radioaktiver Wasserdampf durch einen Riss aus; 1997 fielen zwei der vier Nebenkühlwasserpumpen aus.
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Streitfall Biblis A: Der hessische Meiler, der seit 1974 in Betrieb ist, sollte 2010 stillgelegt werden. Doch die Landesregierung und der Betreiber RWE planen eine Verlängerung der Laufzeit, indem zunächst Betriebsstunden von anderen AKW auf das Kraftwerk übertragen werden sollen.
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Laufzeit bis 2019: AKW Grohnde - Nur ein Jahr nach seiner Inbetriebnahme stellte sich 1985 bei einer Revision heraus, dass das Notkühlsystem des AKWs Grohnde nicht einsatzfähig war, weil eine der vier Pumpen Gas statt Wasser enthielt.
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Noch zehn Jahre am Netz: AKW Emsland - Ende der achtziger Jahre erbaut, hat das AKW Emsland noch eine Laufzeit bis 2020. Bislang sind keine ernsthaften Störfälle bekannt geworden.
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Kandidat für die Stilllegung: Das niedersächsische Atomkraftwerk Unterweser, Baujahr 1978, wird wohl Jahr 2012 vom Netz gehen. Ein schwerer Störfall ereignete sich 1998, als der Reaktor nach einer Reparatur mit gesperrten Sicherheitsventilen an einer Hauptdampfleitung in Betrieb ging.
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Diskussion über Leukämieerkrankungen: Das AKW Krümmel, fünfzig Kilometer von Hamburg entfernt, hat eine lange Historie schwerer Störungen. 1987 werden nach Knallgasexplosionen Beschädigungen an wichtigen Sicherheitsventilen festgestellt. 1989 beginnt die Diskussion um Häufung von Leukämieerkrankungen in der Umgebung des Kraftwerks. 1993 wird Krümmel für mehr als ein Jahr abgeschaltet, nachdem Risse in sicherheitsrelevanten Anlageteilen entdeckt wurden. 2007 brennt eine Trafostation. Die Laufzeit endet 2017.
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Musterschüler: Trotz Massendemonstrationen in den siebziger und achtziger Jahren kann das AKW Brokdorf heute als Vorbild für deutsche Atommeilern gelten. Schwerere Störfälle wurden nicht bekannt. Seit 1986 in Betrieb, darf der Meiler noch bis 2019 am Netz bleiben.
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Steht am häufigsten still: Brunsbüttel - Das Kraftwerk hat wegen Störfällen die längsten Stillstandzeiten von allen Kraftwerken in Deutschland. 1978 entwich radioaktiver Dampf in die Atmosphäre. 2001 zerstörte eine Knallgas-Explosion ein Rohr in der Nähe des Reaktordruckbehälters. Ein Sicherheitsventil verhindert einen schweren Zwischenfall.
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Atomkraft trägt rund ein Viertel zum Energiebedarf in Deutschland bei. Doch der radioaktive Abfall muss irgendwo untergebracht werden. FR-online zeigt die Meiler und Endlager in Deutschland, welche Störfälle es gab und wo endgelagert werden soll. Hier ein Castorbehälter, mit einer Wärmekamera fotografiert.
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Wie Endlagerung scheitern kann: Asse II - Die Schachtanlage bei Wolfenbüttel ist als Atommüll-Endlager völlig ungeeignet: Grundwasser läuft ein, radioaktive Behälter schlagen leck, eine Evakuierung ist erforderlich. Die Behörden versuchen derzeit, eine Kontamination des Lebensraumes um Asse II zu verhindern.
Fotostrecken Politik
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Linkspartei in der Krise
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Die SPD will ein neues Energiekonzept erarbeiten, das ohne Atomstrom auskommt. Das kündigte der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau an. Der Vorsitzende einer neuen Energie-Kommission der SPD sagte auch, seine Partei werde im Fall einer Regierungsübernahme im Bund zum in der rot-grünen Koalition vereinbarten Atomausstieg zurückkehren.
Der SPD-Politiker hält den Übergang zu dezentralen Strukturen in der Energieversorgung für notwendig. Man müsse mittelfristig „weg von Großkraftwerken“, die heute den Strommarkt beherrschen, sagte er der FR. Die vier Konzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall, die heute noch rund 80 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms produzieren, müssten Erzeugungskapazität abgeben. „Deren Oligopol hat keine Zukunft“, sagte er. Ihr Ausstieg aus dem Atomausstieg sei der Versuch, die überkommenen Strukturen zu zementieren.
Zum Thema Kohlekraftwerke sagte Schäfer Gümbel: Der Neubau müsse zurückgefahren werden, dafür sollten vorhandene Anlagen nachgerüstet werden, um sie effizienter und klimafreundlicher zu machen. „Hier brauchen wir massive Investitionen.“ Das Thema ist jedoch auch innerhalb der SPD heikel. Es gibt eine dort auch eine starke Kohle-Lobby.
Der SPD-Politiker erwartet, dass die die Energiegewinnung in 20 bis 30 Jahren „überwiegend“ in den Kommunen geschieht, etwa durch Stadtwerke. Ein besonderer Schwerpunkt müsse dabei die Schaffung neuer Arbeitsplätzen sein.
„Wir wollen Wertschöpfung und Arbeit zurück in die Regionen holen“, sagt Schäfer-Gümbel. Er erinnerte daran, dass im Bereich erneuerbaren Energien bereits 300000 Jobs entstanden seien. „Es können noch vielmehr sein.“
Der Politiker plädierte für den weiteren Ausbau von Wind-, Solar- und Biomasse-Energie. Die Windkraft habe auch im Binnenland noch viel ungenutztes Potential. Sorgen wegen einer „Verspargelung“ der Landschaft nehme er ernst, aber mit guter Planung und Information könne der Ausbau verträglich gemacht werden. Man müsse „mit den Leuten reden“. Die Bürger wollten „eine klimafreundliche Energieversorgung, die auch den nächsten Generationen ein gutes Leben ermöglicht“, sagte er.
Schäfer-Gümbel: Ohne mehr Einsparung werden wir Klimaziele nicht erreichen
Als überfällig bezeichnete Schäfer-Gümbel eine stärkere Förderung der Energieeinsparung. Stichworte: Sanierung von Häusern, Ausbau von Nahwärme-Netzen, effizientere Industrieproduktion, sparsamere Motoren und Elektromobilität. Hier gebe es noch große Potentiale. „Ohne sie zu heben, können wir die Klimaziele nicht erreichen“, sagte er.
Nicht festlegen wollte sich der SPD-Politiker in der Frage, ob zur Energiekonzeption auch eine Neuauflage der Ökosteuer gehöre. Er habe zwar Sympathie für die Idee, dass „die Preise die ökologische Wahrheit sagen sollen“. Allerdings habe die „Monetarisierung der Umwelt“ Grenzen, sagte Schäfer-Gümbel. Umweltstandards müssten grundsätzlich per Ordnungsrecht festgelegt werden. Falls man sich aber für eine neue Ökosteuer entscheide, müssten die Einnahmen im Umweltbereich eingesetzt werden. Die von Rot-Grün 1999 eingeführte Ökosteuer, die rund 17 Milliarden Euro jährlich beträgt, fließt zum großen Teil in Rentenkassen.
Die SPD-Kommission, die am heutigen Montag zum ersten Mal zusammentritt, soll rund 35 Mitglieder haben und bis zum Bundesparteitag im Herbst 2011 ihr Energiekonzept vorlegen. In der Kommission werden neben Politikern auch Wissenschaftler, Gewerkschafter und Umweltschützer sitzen, darunter der SPD-„Ökopapst“ Hermann Scheer und der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis.