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Entwicklungsminister Niebel: Der Zuhörer

Entwicklungsminister Niebel meidet in Afrika mögliche Fettnäpfchen. Niebel, sagen die Partner vor Ort, war vorsichtig, scheute aber vor heiklen Themen nicht zurück. Von Dagmar Wittek

Das Elend der Flüchtlingslager, die Traumata der Vergewaltigungsopfer. Dirk Niebel bekommt bei seiner ersten großen Auslandsreise in den Kongo mit eigenen Augen zu sehen, was es bedeutet, Entwicklungsminister zu sein.
Das Elend der Flüchtlingslager, die Traumata der Vergewaltigungsopfer. Dirk Niebel bekommt bei seiner ersten großen Auslandsreise in den Kongo mit eigenen Augen zu sehen, was es bedeutet, Entwicklungsminister zu sein.
Foto: dpa

Der erste Besuch des Neuen hat für wenig Wirbel in Afrika gesorgt. Weder in den afrikanischen Nachrichtenagenturen noch in den Zeitungen der Regionen, die der deutsche Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) besuchte, fand die Visite großen Niederschlag. Die südafrikanischen Nachrichtenagenturen berichteten zum Auftakt der einwöchigen Reise von einvernehmlichen Gesprächen mit Ruandas Präsident Paul Kagame. Mehr nicht. Die Online-Publikation all- Africa.com hob Niebels Lob für Ruandas Gesundheitssystem und die transparenten Demokratisierungsprozesse hervor.

Die Entwicklung Ruandas nach dem Genozid von 1994 ist tatsächlich bemerkenswert und der Aufbau einer Krankenversicherung, die 85 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einer Gesundheitsversorgung ermöglicht, einzigartig auf dem Kontinent. Dazu hat Deutschland mit 26 Millionen Euro und fachlicher Unterstützung maßgeblich beigetragen.

Der Bundesentwicklungsminister machte keinerlei Zusagen, sondern hörte erst einmal zu. Der Eindruck vieler Partner, denen er auf seiner Reise durch Ruanda, Kongo und Mosambik begegnet ist, ähnelt sich. "Er war interessiert, hat nicht geurteilt und war angenehm überrascht und nicht entsetzt von den Umständen vor Ort", sagte Elisabeth Girrbach, die Koordinatorin der GTZ für Gesundheit in Ruanda.

Positiv notierte Ulrich Post, Vorstandsvorsitzender des Dachverbands deutscher Entwicklungsorganisationen, dass Niebel den Partnern vor Ort mit Respekt begegnet sei. Ein heikles Thema auf dem vom Kolonialismus gezeichneten Kontinent, das er mit Bravour gemeistert habe. Nur das zeitweilige Outfit mit khakifarbener Bundeswehrmütze und dunkler Sonnenbrille irritierte und erinnerte an den ehemaligen Zeitsoldaten Niebel. Dennoch: Der Minister war sich offenbar nach der heftigen Kritik von Nichtregierungsorganisationen vor seiner Reise bewusst, dass er sich auf unsicherem Terrain bewegt.

Niebel, sagen die Partner vor Ort, war vorsichtig, scheute aber vor heiklen Themen nicht zurück. Die Helfer haben im Hinterkopf, dass der neue Chef vor wenigen Monaten das Entwicklungsministerium noch komplett abschaffen wollte - doch er vermittelte ihnen den Eindruck, er sei lernbereit.

Sein Credo, Deutschland leiste Hilfe zur Selbsthilfe, haben Organisationen wie die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau längst verinnerlicht. Käme das noch stärker als bisher dem deutschen Mittelstand zugute, wäre es für Niebel die optimale Entwicklungszusammenarbeit. "Jeder private Euro, der von deutschen Unternehmen vor Ort investiert wird, spart Steuergeld", sagt er gern. Also keine Kehrtwende in der Entwicklungskooperation - das ist selbst in Afrika keine große Nachricht wert. Seite 13

Autor:  Dagmar Wittek
Datum:  14 | 1 | 2010
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