Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

23. August 2008

Erleichterte Mullahs

 Von MICHAEL LÜDERS

Iran profitiert vom Konflikt im Kaukasus

Drucken per Mail

Irans Führung dürfte sich die Hände reiben: Die Parteinahme Washingtons für Georgien im Kaukasuskonflikt und der zunehmend raue Ton des Weißen Hauses gegenüber Moskau wirkt sich für Teheran günstig aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kreml im Sicherheitsrat weiterhin westliche Sanktionen gegenüber dem Iran mitträgt, ist gering.

"Der Versuch der Nato, Georgien aus dem Einflussbereich Russlands zu lösen, ist gescheitert", kommentierte der englischsprachige iranische Sender Press TV. Russland werde nicht zulassen, dass der Westen die Völker der Region gegenseitig ausspiele.

Auch der Iran hat Probleme mit seinen Minderheiten: mit Aserbaidschanern, Kurden, Arabern, Belutschen. Und Teheran wirf Washington vor, Aufständische aus den Reihen dieser Minderheiten für Sabotageakte im Iran auszubilden. Aus der Sicht Teherans spielt Washington die georgische Karte gegen Moskau aus, auf Kosten der russischen Minderheit in Südossetien. Im Iran wiederum gingen die USA den umgekehrten Weg: Dort würden die Minderheiten gegen die Zentralregierung in Stellung gebracht. Gemein sei dieser Politik der "imperiale Gedanke des Teilen und Herrschens", so Press TV.

Ebenso hat man in Teheran registriert, dass die Regierung Bush, zeitgleich zum Krieg in Georgien, dem israelischen Wunsch nach einem Angriff auf die iranischen Atomanlagen eine Absage erteilt hat. Einen Alleingang aber wird Israel nicht wagen. Militärisch wäre das Land dazu in der Lage, politisch riskierte es in dem Fall die Isolation. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch die Ankündigung Teherans zu verstehen, weitere Atomanlagen bauen zu wollen. Auch militärisch strotzt die Islamische Republik vor Selbstvertrauen. Neue Trägerraketen werden publikumswirksam getestet, ein Raumfahrtprogramm ist in Planung.

Der Krieg im Kaukasus hat die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf andere Themen als das iranische Nuklearprogramm gelenkt. Parallel dazu dürften die blutiger werdenden Auseinandersetzungen in Afghanistan und die anhaltende Staatskrise in Pakistan selbst unter den Hardlinern im Pentagon die Neigung verringern, ein weiteres Pulverfass zu entzünden. Vom Irak ganz zu schweigen.

Die gegen Teheran verhängten Wirtschaftssanktionen, die das Nuklearprogramm zu Fall bringen sollen, beeindrucken im Iran kaum jemanden. Um mehr als eine Milliarde Euro ist etwa der deutsche Export in den Iran im vorigen Jahr zurückgegangen, als Folge politischen Drucks. Den Schaden tragen allein deutsche Unternehmer - die Lücke wurde sofort von chinesischen Investoren geschlossen.

Irans Führung weiß, das westliche Drohungen Theaterdonner sind. Irgendwann, so die Mullahs, wird der Westen Teheran gegenüber denselben Pragmatismus zeigen wie gegenüber Moskau.


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Donald Trump

Demagogische und verlogene Rede

Von  |
Donald J. Trump.

Donald Trumps „vereintes Amerika“ ist ein armes, ein kleines, ein engherziges, ein ängstliches Amerika. Nichts, worauf man stolz sein kann. Der FR-Leitartikel zur Rede des neuen Präsidenten der USA. Mehr...

Neuer US-Präsident

Trump setzt alles auf null

Donald Trump ist der 45. Präsident in der Geschichte der USA

Setzt Donald Trump die radikale Entideologisierung und Ökonomisierung der amerikanischen Außenpolitik tatsächlich um? Ein gespenstisches Szenario. Der Leitartikel. Mehr...

 

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung