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Ernst Schwanhold über den Nürburgring: "Da ist großer Raum für Wachstum"

Nürburgring-Aufsichtsratschef Ernst Schwanhold (SPD) verrät im FR-Interview, wie er das umstrittene Spaßzentrum retten will. Die Besucherzahlen liegen deutlich unter den Prognosen.

Ernst Schwanhold ist neuer Aufsichtsratschef der Nürburging-Gesellschaft, die die legendäre Rennstrecke in der Eifel betreibt.
Ernst Schwanhold ist neuer Aufsichtsratschef der Nürburging-Gesellschaft, die die legendäre Rennstrecke in der Eifel betreibt.
Foto: ddp

Herr Schwanhold, der neue Spaßpark am Nürburgring hat über 300 Millionen Euro gekostet. Wie sicher sind Sie, dass daraus keine Investitionsruine wird, die den Steuerzahler viel Geld kostet?

Am Ring ist ein großartiges Angebot entstanden. Ich bin sicher: Es wird neben den vielen Besuchern, die schon heute zum Nürburgring kommen, neue Zielgruppen erschließen. Noch sind nicht alle Angebote am Markt.

Zur Person

Ernst Schwanhold ist neuer Aufsichtsratschef der Nürburging-Gesellschaft, die die legendäre Rennstrecke in der Eifel betreibt. Der frühere SPD-Politiker soll die Krise meistern helfen, in die der Ring gekommen ist, seit an der Strecke ein über 300 Millionen Euro teures Freizeit- und Business-Zentrum gebaut wurde. Die Besucherzahlen des im vorigen Juli eröffneten "Nürburgring 2009" liegen deutlich unter den Prognosen.

Schwanhold war Bundestagsabgeordneter und Minister in NRW, danach Bereichsleiter beim Chemiekonzern BASF. Er ist als Aufsichtsratschef Nachfolger von Finanzminister Ingolf Deubel, der wegen einer gescheiterten Privatfinanzierung des Ring-Projekts zurücktrat. (jw)

Besonders im Ringwerk, dem großen neuen "Action-Museum", ist wenig los. Wer soll die leeren Hallen füllen?

Noch spiegeln die Besucherzahlen nicht die gewünschte Größenordnung. Die neue Saison ist die erste, die Aufschluss gibt, weil dann die Angebote komplett sind und die Werbung und das Konzept besser erkennbar. Der Freizeitmarkt wächst insgesamt. Da ist großer Raum für Wachstum am Ring.

Damit sich alles rechnet, sollten 500000 zusätzliche Besucher kommen. Das ist, nach den Erfahrungen im letzten halben Jahr, kaum zu schaffen, oder?

Die privaten Betreiber der Angebote wollen Geld verdienen und rechnen sich gute Chancen aus. Ich vertraue auf deren Urteil. Das Angebot ist sehr gut, die Faszination Nürburgring ist ungebrochen. Aber es bedarf weiterer Anstrengungen.

Das Zentrum soll rund ums Jahr die Massen aus den Großräumen Köln und Rhein-Main anziehen. Wie steht es denn damit ein halbes Jahr nach Eröffnung?

Es kommt darauf an, neben den Motorsportbegeisterten weitere Besuchergruppen zu erreichen. Deshalb wollen wir die Angebote von Profis aus der Branche betreiben lassen. Der Einzugsbereich geht zudem weit über die Großräume Köln und Rhein-Main hinaus. Belgien und die Niederlande liegen vor der Tür.

Ring-Chef Werner Kafitz ist geschasst worden. Kann man alle Schuld auf ihn abladen?

Es geht nicht darum, Schuld abzuladen, sondern um Feststellungen, auf die wir reagieren mussten. Herr Kafitz hat viele Jahre gute Arbeit am Ring geleistet.

In den letzten Jahren offenbar nicht. Ein Ex-Geschäftsführer nannte das von Kafitz entwickelte Freizeitprojekt im Untersuchungsausschuss überdimensioniert. Es sei "zu groß, zu bunt, zu schön" geplant gewesen.

Man kommt immer klüger aus dem Rathaus, als man hineingeht. Selbst wenn er Recht hätte, jetzt müssen alle Anstrengungen für einen Erfolg der Anlagen unternommen werden. Mir gefallen eher die Menschen, die Herausforderungen bewältigen wollen, als jene, die hinterher immer klüger sind.

Aber hätte die Landesregierung nicht früher auf die Bremse treten müssen? Sie hat das Projekt durchgewunken, obwohl immer klarer wurde, dass die geforderte Finanzierung durch Privatinvestoren unrealistisch war.

Dazu haben die Verantwortlichen alles Notwendige gesagt. Vergessen Sie nicht: Finanzminister Ingolf Deubel hat Verantwortung übernommen und ist zurückgetreten. In vergleichbaren Situationen fehlt es in der Wirtschaft gelegentlich an gleichem Verantwortungsbewusstsein.

Wie sieht denn die Zukunft des Rennsports am Ring aus? Ist die Formel-1 gesichert?

2011 findet ein Formel 1-Rennen statt, und wir wollen auch in Zukunft mindestens alle zwei Jahre ein Formel 1-Rennen am Ring. Allerdings nicht um jeden Preis.

Viele sagen: Formel 1-Organisator Bernie Ecclestone verlangt überhöhte Millionensummen für den PS-Zirkus. Was fordern sie vom ihm?

Nichts über die Zeitung. Wir werden Gespräche mit ihm führen. Dabei sind alle Aspekte des Rennsports und des wirtschaftlichen Umfelds zu berücksichtigen. Der Nürburgring ist eine der attraktivsten Rennstrecken der Welt, wenn nicht die attraktivste überhaupt. Damit haben wir eine starke Verhandlungsposition. Wir sind zuversichtlich.

Könnte der Ring denn auch ohne die Formel-Eins überleben?

Eindeutig ja, der neue Nürburgring ist für viele Besuchergruppen eine Attraktion. Aber für Rennsportfreunde hat das Formel 1-Rennen eine besondere Bedeutung, wie übrigens die legendäre Nordschleife auch.

Interview: Joachim Wille

Datum:  11 | 1 | 2010
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