Am 12. Juli 2007 kreisen zwei Apache-Hubschrauber über einem Viertel am Stadtrand von Bagdad. US-Truppen hatten die Luftunterstützung angefordert, nachdem es zu Gefechten mit Aufständischen gekommen war. "Ich habe Individuen mit Waffen", berichtet einer der Piloten, "fünf bis sechs Leute mit AK-47." Das verwackelte Schwarz-Weiß-Video der Bordkamera zeigt eine Gruppe, die ohne Eile um eine staubige Straßenecke biegt. Die Piloten bitten um Feuererlaubnis, die erteilt wird. Doch die Gruppe verschwindet kurz hinter einem Haus. "Fucking", ruft einer der Piloten, "halt drauf, wenn sie auftauchen." Die Gruppe taucht auf.
Schüsse fallen, die Männer gehen zu Boden. Wenig später treffen US-Soldaten ein. Was sie finden, ist rund ein Dutzend Leichen auf der Straße und zwei verletzte Kinder im demolierten Auto. "Nun, es ist ihre Schuld, wenn sie ihre Kinder zum Kampf mitbringen", sagt einer der Piloten.
Das beklemmende Video, rund 38 Minuten lang, hat die Whistleblower-Plattform Wikileaks am Montag in Washington vorgestellt und später auf ihrer Webseite veröffentlicht. In Bagdad haben die US-Hubschrauber wohl nicht auf Aufständische geschossen. Zwar mag Wikileaks-Sprecher Julian Assange nicht ausschließen, dass zwei der getöteten Männer tatsächlich Waffen getragen haben könnten. Die anderen aber seien unbewaffnet gewesen. Zwei der Getöteten seien Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters gewesen, Saeed Chmagh und Namir Noor-Eldeen.
Reuters hatte 2007 nach dem Zwischenfall die Herausgabe des Militärvideos gefordert. Das Pentagon weigerte sich. Nun geriet der Film Wikileaks in die Hände. Die Webseite stellt seit 2006 Interna aus Wirtschaft, Behörden und Politik ins Netz, ohne dass die Quellen zurückverfolgt werden können. Auch über die Herkunft des Bagdad-Videos schweigt Wikileaks-Sprecher Assange, obwohl klar scheint, dass es aus Militärkreisen stammt.
Nicht nur wegen der Brutalität und offenbar tragischen Verwechslung könnte der Vorfall nun ein Nachspiel haben. Laut Pentagon hatten die Soldaten an jenem Morgen, als die Reuters-Journalisten starben, alle geltenden Regeln befolgt. "Wenn das wahr ist, ist etwas falsch mit den Regeln", sagt Assange, "wenn nicht, haben sie etwas vertuscht."
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