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Erwin Huber: Der CSU-Chef mit der kürzesten Amtszeit

Unrühmlicher Rekord für Erwin Huber: Er geht als CSU-Chef mit der kürzesten Amtsperiode in die Annalen ein.

München. Unrühmlicher Rekord für Erwin Huber: Er geht als CSU-Chef mit der kürzesten Amtsperiode in die Annalen ein. Genau ein Jahr und einen Tag nach seinem Amtsantritt verkündete der 62-Jährige seinen Rückzug von der Spitze der einzigen Regionalpartei Deutschlands mit bundespolitischer Bedeutung.

Doch die hat unter seiner Ägide ziemlich gelitten. Und bei der Landtagswahl hat die CSU mit der absoluten Mehrheit auch ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren. Die Scherben kitten soll nun wohl der vor einem Jahr noch gegen Huber unterlegene Horst Seehofer.

"Ich werde weiter in der politischen Verantwortung bleiben und mit besten Kräften für Bayern und die CSU arbeiten", sagte Huber zum Schluss seiner nur zwei Minuten dauernden Rücktrittserklärung, die er mit gekünsteltem Lächeln ablas. Es ist die wohl größte Enttäuschung in seiner politischen Karriere.

Die CSU sei sein Lebensinhalt, hatte der Niederbayer erst kürzlich gesagt.

Doch als Vorsitzender hat Huber nach Ansicht vieler in der Partei die Fußstapfen seines Vorgängers Edmund Stoibers nicht ausfüllen können. Blass und farblos wirke er, wurde schon bald nach seinem Amtsantritt gemurrt, an der Basis und im Bierzelt sei er wenig mitreißend, vor allem im Vergleich zu Stoiber.

Dabei hatte sich die Partei nach dessen quälend langem Abschied eine Führungspersönlichkeit ohne egozentrische und großspurige Züge gewünscht. Allerdings wollten die gut 160.000 Mitglieder auch jemanden an der Spitze, auf den sie stolz sein können und der die selbst ernannte Sonderrolle Bayerns im Bund garantiert.

In Berlin nie richtig Fuß gefasst

In Berlin hat der Niederbayer nicht richtig Fuß fassen können. In den ersten Monaten nach seinem Amtsantritt verschwand die CSU fast komplett von der bundespolitischen Bühne und kehrte erst mit Vorlage des Steuerkonzeptes zurück. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel ließ Hubers Forderung nach der alten Pendlerpauschale immer wieder abblitzen.

Dass es dem Politiker auch unionsintern an Zugkraft fehlte, zeigte kürzlich ein Auftritt im Bundestag: als der bayerische Finanzminister sprach, waren auch bei CDU/CSU die Reihen gelichtet.

Daheim im Freistaat hatte Huber in seinem Jahr als Parteichef mit einigen Problemen zu kämpfen: Das Prestigeprojekt Transrapid floppte, das Hickhack beim Rauchverbot verprellte viele Stammwähler, und die Krise bei der Landesbank kratzte immer wieder am Image des Finanzpolitikers.

Zudem kam das Tandem mit Ministerpräsident Günther Beckstein erst nach einigen Abstimmungspannen in Fahrt. Gemeinsam hatten die einstigen Rivalen im Januar 2007 Stoibers Ablösung eingefädelt, dem sie beide lange Jahre treu und loyal gedient hatten. Für beide war es die letzte Chance auf einen Spitzenposten.

Huber hatte sich zuvor als Allzweckwaffe der Partei hervorgetan. Er war CSU-Generalsekretär, Staatskanzlei-Chef, Finanz-, Bundesrats- und Wirtschaftsminister. Auch wenn das Finanzressort immer seine Lieblingsstation war, übernahm er für Stoiber anderswo die Kärrnerarbeit. In dessen Auftrag packte Huber etwa die Verwaltungsreform an - und kassierte für den eisernen Sparkurs den Großteil der Prügel.

Gegner schaffte er sich mit der Bemerkung: "Wer den Sumpf trocken legen will, darf nicht die Frösche fragen." Es dauerte lange, bis die Basis wieder einigermaßen versöhnt war. Glühende Begeisterung wurde Huber nie entgegengebracht, eher wohlwollender Respekt für seinen Fleiß.

Der 62-Jährige hat für seine Karriere hart geschuftet. Der Sohn einer Landarbeiterin, der ohne Vater aufwuchs, machte eine Ausbildung zum Steuerinspektor und kämpfte sich über das Abendgymnasium zum Volkswirtschaftstudium vor.

Provinzialität wurde dem heimatverwurzelten Niederbayern, der noch heute in seinem Geburtsort Reisbach wohnt, oft angelastet, weil er "nur" in der Landespolitik aktiv war. Huber konterte mit seiner bundespolitischen Erfahrung als Bundesratsminister oder seiner Beteiligung am Wahlprogramm der Union und den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen. Zudem lehnte er Merkels Angebot für einen Kabinettsposten ab. Nach Berlin wollte Huber eigentlich erst 2009 gehen. Doch auch das steht jetzt in den Sternen.

Datum:  30 | 9 | 2008
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