Für seine Anhänger ist er über seinen Tod 1991 hinaus eine Ikone des Widerstands gegen "modernistische" Reformen in der katholischen Kirche geblieben: Erzbischof Marcel Lefebvre, Gründer der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X.
Von den Tagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) bis zu seinem Bruch mit dem Vatikan 1988 war Lefebvre Wortführer all jener, die am alten Ritus der Messfeier festhalten und eine Modernisierung der katholischen Kirche verhindern wollten. Seit er sich durch eigenmächtige Weihe von vier Bischöfen ins kirchliche Abseits beförderte, hat sich seine Gefolgschaft mehrfach gespalten.
Die wichtigste Gruppe ist bis heute die von Lefebvre gegründete "Priesterbruderschaft St. Pius X." (SSPX). Sie hält zwar die Konzilsbeschlüsse für falsch, verhandelt aber seit Jahren mit dem Vatikan über eine Wiederannäherung. Diese vom SSPX-Oberen, dem Schweizer Bernard Fellay, angeführte Strömung steht ganz in der Tradition von Lefebvre, der nach eigenem Bekunden nie die Kirchenspaltung anstrebte. Er verlangte das Festhalten an katholischen Riten und Glaubenssätzen aus der Zeit von Pius X. (1903-1914). Dieser hatte den Modernismus verdammt und den "Feinden Christi" nicht Dialog, sondern den Kampf angeboten.
Dass ausgerechnet der polnische Papst, der in Sachen Morallehre entschieden konservativ war, die Exkommunikation androhte, war für Lefebvre besonders tragisch. Doch hatte er sich mit Johannes Paul II. an einem weiteren Punkt überworfen: Dessen Bereitschaft zum Dialog mit anderen Religionen war in Lefebvres Augen ein weiterer Schritt des Papsttums in Richtung Häresie. Aus seiner Sicht wurde damit die Lehre untergraben, wonach die katholische Kirche die allein Seligmachende ist.
Bis heute sympathisieren mehrere hunderttausend Laien und einige hundert Priester offen mit der Bewegung Lefebvres, die meisten von ihnen in Europa und in den USA. Sie bewirkten, dass Johannes Paul II. seit 1984 die 1970 flächendeckend abgeschaffte alte Liturgie unter Auflagen wieder duldete. Bei seinem Nachfolger Benedikt XVI. rannten sie offene Türen ein. Es war nur logisch, dass er am 7. Juli 2007 per Erlass den alten Ritus wieder weltweit als "außerordentlichen Ritus" der römischen Kirche erlaubte. kna
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