Mallorca beginnt, die ETA zu fürchten. Nicht unbedingt, weil die Einheimischen Angst hätten, selbst zum Opfer der Bombenattentate zu werden - beim Anschlag in Palmanova vor zwölf Tagen hatte es die ETA auf die Guardia Civil abgesehen, die Sprengsätze am Sonntag besaßen solch geringe Potenz, dass kaum auch nur Sachschaden entstand.
Was die Mallorquiner fürchten, sind die psychologischen Folgen der Attentate. Die friedliche Ferieninsel ist zum Terroristenziel geworden. Das kann dem Ansehen Mallorcas nicht gut tun.
Die Regierung der Balearen hat eine Hotline eingerichtet, unter der sich Touristen über die Lage in Mallorca informieren können.
Auskünfte werden unter 0800-180 66 80 auf Englisch, Spanisch und Deutsch gegeben.
Die Hotline war Montagnachmittag nicht erreichbar, sondern nur ein Anrufbeantworter auf Spanisch zu hören.
Wenn Hotlines neu eingerichtet werden, könnten sie überlastet sein, sagte Peter Höbel, dessen Frankfurter Firma Crisadvice die Regierung bei der Hotline berät.
Die Hotline solle rasch reibungslos funktionieren.
Nun sind die ersten Stimmen zu hören, die der Polizei ihre Misserfolge vorhalten. Seit dem Doppelmord von Palmanova sind nach offiziellen Informationen 1600 Beamte auf der Insel im Einsatz, um den Tätern auf die Spur zu kommen. Bisher ohne Ergebnis. Die ETA konnte am Sonntag ihre Bomben explodieren lassen, als säße ihr niemand im Nacken.
Der Präsident der Vereinigung der Hotelketten der Balearen, Aurelio Vázquez, gibt sich noch versöhnlich. Er vertraue darauf, dass die Arbeit der Sicherheitskräfte "in der Festnahme der Terroristen gipfeln" werde, sagte er am Sonntagabend. Etwas drängender klang da Toni Mas vom Verband der Restaurationsbetriebe Mallorcas.
"Es wäre gut für uns, wenn sie jemanden schnappen könnten." Am schärfsten äußerste sich ein Kommentator in der Lokalzeitung "Diario de Mallorca": "Die terroristische Herausforderung macht eine organisierte Antwort nötig, die weniger auf der pompösen einhelligen Verurteilung der Attentate fußt als auf dem Verlangen nach Ergebnissen." Das ist ein ungewöhnlicher Ton in der spanischen Terrordebatte.
Wie ist der gute Ruf der Ferieninsel zu retten?
Hinter der Gereiztheit steckt die Sorge vor sinkenden Besucherzahlen. Es ist sowieso kein gutes Jahr für die spanische Tourismusindustrie, im ersten Halbjahr 2009 kamen gut elf Prozent weniger ausländische Besucher als im Vorjahr. Und nun die ETA-Bomben. "Einige der Kunden, die auf Mallorca landen, kommen schon verängstigt an", sagte Marilén Pol vom Hotelverband von Palma de Mallorca. Bisher verzeichnen die Hoteliers noch keine massenhaften Absagen. Doch nun hat die ETA drei Bomben in der Hauptstadt Palma gelegt, ihre propagandistische Sprengkraft ist enorm.
Der Balearenpräsident Francesc Antich traf sich am Montag erst mit dem spanischen Tourismusstaatssekretär und dann mit einigen Vertretern der Tourismusindustrie auf Mallorca, um darüber zu reden, wie der gute Ruf der Ferieninsel zu retten sei. Staatssekretär Mesquida gab sich hinterher optimistisch.
Es sei noch zu früh für eine abschließende Bilanz, aber nach seinen Informationen aus den Fremdenverkehrsbüros in der ganzen Welt würden die ETA-Attentate "die Urlaubspläne der Touristen nicht ändern". Um möglichen "Fehlinformationen" über das Ausmaß der Terrorgefahr zu begegnen, hat die Balearenregierung schon vor Tagen Sorgentelefone für Mallorca-Gäste eingerichtet, unter anderem eines in Deutschland, das unter der Nummer 0800 180 66 80 erreichbar ist.
Auf Mallorca selbst scheint nach ersten Eindrücken keine Panik zu herrschen. Ein spanisches Touristenpaar, befragt vom staatlichen Fernsehen TVE, sagte: "Wir lassen uns von diesen Irren nicht unsere Urlaubspläne kaputt machen." Es ist gut möglich, dass außerhalb Mallorcas die Terrorgefahr höher eingeschätzt wird als auf der Insel selbst - die wenigsten Urlauber bekommen ja die Folgen der Anschläge am eigenen Leibe zu spüren. Trotzdem bleibt die Frage, wie sich die ETA solche Bewegungsfreiheit auf der Insel verschaffen konnte, um innerhalb von zehn Tagen gleich zwei gut organisierte Attentate auszuführen.
Die Insellage schien Mallorca in der Vergangenheit vor dem Terrorismus zu schützen. Attentäter haben auf einer Insel eingeschränkte Fluchtmöglichkeiten und es ist kaum möglich, Waffen und Sprengstoff im Flugzeug oder auf regulär einlaufenden Schiffen einzuschmuggeln.
Vom illegalen Drogenhandel weiß man allerdings, dass alles geht, wenn der Wille und die Mittel dazu da sind - wenn die ETA auf Mallorca Attentate verüben kann, dann scheint sie weder finanziell noch organisatorisch am Ende zu sein. Da ist die Frage, die sich gestern spanische Politiker und Terrorexperten stellten, ob die ETA seit längerem ein festes Kommando auf der Insel habe oder dort nur vorübergehend eines hingeschickt hat, zweitrangig.
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