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EU-Außenrepräsentantin Catherine Ashton: Das ewige Greenhorn

Catherine Ashton muss nicht zum ersten Mal Skeptiker davon überzeugen, dass sie einem Job gewachsen ist. Für ihre Arbeit in der Heimat wurde sie aber schon mal mit dem Titel der Baroness geadelt. Von Werner Balsen

Catherine Ashton
Catherine Ashton
Foto: rtr

Es ist kein Zuckerschlecken, eine der wichtigsten Persönlichkeiten der EU zu werden. Vor allem dann nicht, wenn die Ernennung für die breite Öffentlichkeit aus heiterem Himmel kommt und ungläubiges Staunen auslöst. Das erlebt Catherine Ashton, die frisch gekürte Hohe Repräsentantin für die Außen- und Sicherheitspolitik, zum zweiten Mal.

Im Frühherbst des vergangenen Jahres stand die Baroness Ashton of Upholland in Straßburg drei Stunden lang auf dem Prüfstand. Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments wollten sich vergewissern, dass sie das Format für den Posten der Handelskommissarin hatte. Da konnte die heute 53-Jährige leichte Nervosität nicht verbergen; trotz verschränkter Hände und verkrampften Lächelns schlug sie sich aber akzeptabel. Die Abgeordneten waren schnell angetan von ihr, auch wenn nicht verborgen blieb, dass Ashton in der Handelspolitik, einem der heikelsten Felder in der EU-Kommission, noch nicht völlig zu Hause war.

Hohe Vertreterin der Union

Einfach gesagt: Die EU hat nun eine Außenministerin. Zwar gibt es eine ähnliche Funktion schon jetzt; derzeit hat sie der Spanier Javier Solana inne. Doch der Lissabon-Vertrag stattet das Amt mit noch mehr Macht aus - das ist zumindest die Idee.

Mit einem eigenen diplomatischen Dienst soll der Hohe Vertreter die EU im Idealfall mit einer Stimme sprechen lassen. Realistisch ist das zumindest am Anfang nicht. Die Mitgliedstaaten, insbesondere die großen, wollen sich in ihre Außenpolitik nicht hineinreden lassen. London etwa hat verhindert, dass der Vertreter sich offiziell Außenminister (bzw. Außenministerin) nennen darf. So soll der Eindruck verhindert werden, dass die nationalen Außenminister weniger zu sagen haben.

Wie wichtig aber eine einheitliche Linie für die Außenbeziehungen der EU-Staaten ist, wurde nach den Anschlägen vom 11. September 2001 deutlich. Die USA schafften es, die EU in Befürworter und Gegner des Einsatzes im Irak zu spalten und die Staaten so gegeneinander auszuspielen. (vf)

Weil die künftige "Außenministerin" der EU gleichzeitig Vizepräsidentin der Brüsseler Kommission ist, muss sie sich nun erneut den bohrenden Fragen der Parlamentarier stellen. Wieder wird ihr Skepsis entgegen schlagen, wie auf der Pressekonferenz nach ihrer Ernennung. Da wurde ihr vorgehalten, dass sie keinerlei außenpolitische Erfahrung hat.

Und sie musste erklären, welche Figur sie als "Greenhorn" bei Treffen mit den Großen und Mächtigen der Welt machen wolle. "Beurteilen Sie mich nach dem, was ich tue, und Sie werden zufrieden und stolz auf mich sein", entgegnete Ashton selbstbewusst. "Ich bin stolz darauf, die Aufgabe zu übernehmen, denn die Erfahrung wird für mich sprechen."

Ashton weiß, dass sie ihr Amt vor allem deshalb bekommt, weil sich die konservativen Europäischen Volksparteien und die Sozialisten früh darauf einigten, dass letztere den Posten des Hohen Repräsentanten besetzen dürfen. Und es gab bei den Sozialisten wenige, die dafür in Frage kamen.

Aber die Labour-Politikerin erinnert sich auch, wie sie vor einem Jahr die kritischen Parlamentarier für sich einnehmen konnte. Sie schaffte es, den Eindruck zu vermitteln, dass sie sich schnell in ihr neues Fachgebiet einarbeiten werde. Teilnehmer der Anhörung würdigten das Feingefühl, das sie in der Vorstellung erkennen ließ. Das mache sie zu einer hervorragenden Verhandlungsführerin. So ähnlich wie damals die Skeptiker in EU-Parlament und Kommission will sie jetzt die europäische Öffentlichkeit auf ihre Seite bringen.

"Ich bin überzeugt, dass die Globalisierung positiv ist", teilte die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin seinerzeit den Abgeordneten mit. Und setzte hinzu, sie sei ja in der Grafschaft Lancashire aufgewachsen, lange das Kernland der britischen Textilindustrie. "Von daher weiß ich, was wirtschaftliche und soziale Umbrüche bedeuten. Wir haben die Verantwortung, Betroffenen bei solchen Umwälzungen zu helfen."

Ashton arbeitete in den 70er Jahren für die britische Friedensbewegung, war später im sozialen und im Gesundheitsbereich tätig. 1999 wurde sie für ihre Arbeit geadelt und damit auf Lebenszeit zum Mitglied des britischen Oberhauses. Ihr Adelstitel verweist auf ihren Geburtsort Upholland.

Im Oberhaus setzte Ashton, die mit ihrem Mann, zwei leiblichen und drei Stiefkindern in St. Albans nördlich von London lebt, ein Votum für den Lissabon-Vertrag der EU durch. Auf dieses Verhandlungsgeschick verweisen jene gerne, die sie für das Außenamt ins Gespräch brachten.

Autor:  Werner Balsen
Datum:  21 | 11 | 2009
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