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02. November 2014

Eurokrise: Die Jüngeren sind die größten Verlierer

 Von 
Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi ist nicht bei allen beliebt.  Foto: REUTERS

Der große Verlierer ist die junge Generation. 42,9 Prozent der 15-bis 24-Jährigen haben in Italien keinen Job.

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Ob sparen, sparen, sparen in Italien den Kern der Probleme überhaupt erfasst hätte, ist fraglich. Letztlich konnte der 2011 angetretene Ökonom Mario Monti als Chef einer Expertenregierung nur wenig von seinem Spar- und Privatisierungsprogramm umsetzen, ebenso wenig sein Nachfolger Enrico Letta.

Die öffentlichen Ausgaben wurden zwar heruntergefahren, Italien wurde 2013 aus dem EU-Defizitverfahren entlassen. Da sich die Finanzmärkte beruhigt hatten und kein Staatsbankrott mehr drohte, waren keine drastischen Einschnitte nötig und wurden auch nicht von außen verlangt.

Die Krankenversicherung ist trotz einiger Kürzungen für die Italiener weiter beitragsfrei und steuerfinanziert, die Grundversorgung kostenlos. Für das unterfinanzierte Bildungssystem gab Italien auch schon vor der Krise wenig aus. Die größte Veränderung brachte Monti durch die Anhebung des Rentenalters. Zuvor konnten Beschäftigte in Italien so früh in den Ruhestand gehen wie in kaum einem anderen europäischen Land. Jetzt müssen Frauen bis 63 arbeiten, das Renteneintrittsalter für Männer steigt bis 2022 auf 67.

Dagegen wurden der aufgeblasene Staatsapparat, der enorme Kosten verursacht, und der ineffiziente öffentliche Dienst bisher kaum angetastet.

Am meisten belasten Steuern

Wirklich belastend sind für Arbeitnehmer wie Unternehmen in Italien die Steuern. Laut Weltbank liegt die Gesamtsteuerlast für Betriebe bei 65,4 Prozent (Deutschland: 48,8). 2013 wurde auch noch die Mehrwertsteuer von 21 auf 22 Prozent erhöht. Zugleich sanken Löhne und Gehälter zwischen 2010 und 2013 um 3,1 Prozent. Die Hälfte der italienischen Familien verfügte im vergangenen Jahr laut Statistikamt über weniger als 2000 Euro Nettoeinkommen pro Monat. Und so geht die Kaufkraft zurück. Laut dem jüngsten Unicef-Report können sich mit 14,2 Prozent doppelt so viele Haushalte wie vor der Krise nicht alle zwei Tage Fleisch oder Fisch leisten. 19,1 Prozent der Italiener gelten als armutsgefährdet. Das liegt vor allem an der Arbeitslosigkeit, die offizielle 12,6 Prozent erreicht hat.

Die Industrieproduktion ist in den Krisenjahren um 20 Prozent geschrumpft, Hunderttausende Betriebe mussten schließen. Hürden für eine Belebung der Wirtschaft sind aber nicht nur fehlende staatliche Investitionen. Die hohe Steuerlast, eine ausufernde Bürokratie, Korruption und jahrelange Verfahren bei Vertragsstreitigkeiten schrecken Investoren weiterhin ab.


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Matteo Renzi (re.) im Gespräch mit Präsident Giorgio Napolitano (li.) und Außenminister Paolo Gentiloni (mi.).  Foto: dpa

Klar ist: Der große Verlierer ist die junge Generation. 42,9 Prozent der 15-bis 24-Jährigen haben in Italien keinen Job. Zwei Drittel der Jüngeren, die arbeiten, haben Zeit- oder Projektverträge und verdienen weniger als 1000 Euro. Eltern und Großeltern versorgen sie mit. Immerhin besitzen 80 Prozent der Italiener eine Wohnung oder ein Haus, nur wenige Haushalte sind verschuldet, das Pro-Kopf-Vermögen liegt leicht über dem der Deutschen. Es gibt Familien, die von den Renten der Großeltern leben. Die Altersbezüge liegen in Italien laut OECD bei 76 Prozent des letzten Einkommens (Deutschland: 58). Doch hat die Hälfte der Rentner unter 1000 Euro monatlich.

Währenddessen wächst der Schuldenberg Italiens weiter: Als Monti antrat, betrug er noch 120 Prozent des BIP, inzwischen 134 Prozent.

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