Am 14. Juni hatte British Petroleum Grund zum Feiern. An diesem Tag legte im türkischen Hafen Ceyhan der 500. Tanker mit Öl für Europa ab: Öl, das zuvor durch die von BP betriebene Pipeline vom aserbaidschanischen Baku durch Georgien nach Ceyhan geflossen war. 600 000 Fass Öl fließen täglich durch die Pipeline.
Seit Beginn des Krieges zwischen Russland und Georgien sorgt sich Europa um die Sicherheit seiner Energieversorgung - erst recht, nachdem Georgiens Premier Wladimir Gurgenidse behauptete, russische Bomber hätten versucht, die durch Georgien führende Ölpipeline mit Dutzenden Bomben zu treffen und teils nur um fünf Meter verfehlt. Doch dies scheint eine der Fehlmeldungen zu sein, mit denen Georgien die westliche Öffentlichkeit auf seine Seite bringen will: BP selbst weiß nichts von Bombardements. "Unsere Operationen in Georgien sind vom Konflikt nicht direkt betroffen", sagte ein BP-Sprecher auf Anfrage der FR.
Das ist indes nur die halbe Wahrheit. Zwar ist die Pipeline durch Georgien nach wie vor unversehrt. Doch am 6. August explodierte die Pipeline auf ihrem Teilstück durch die Türkei und ist seitdem fürs erste außer Betrieb. Der Ölexport aus den georgischen Schwarzmeerhäfen Poti, Batumi und Kulewi ist ebenfalls gestoppt.
Aserbaidschans staatliche Ölgesellschaft GNKAR, die täglich 20 000 Tonnen Öl für den Export aus diesen Häfen per Eisenbahn anlieferte, stoppte die Lieferungen zu Kriegsbeginn am 7. August, sagte GNKAR-Direktor Rowgan Abdulajew im aserbaidschanischen Fernsehen. Einen Tag später evakuierte GNKAR seine Mitarbeiter aus dem Ölverladeterminal in Kulewi.
Weil zudem russische Kriegsschiffe vor der georgischen Küste liegen, laufen westliche Tanker die Häfen nicht mehr an. Auch der Betrieb per Eisenbahn ist eingestellt. Wegen der Transportprobleme wird BP seine Ölförderung in Aserbaidschan um bis zu vier Fünftel drosseln müssen, schätzt die Moskauer Tageszeitung Gaseta.
Fraglich erscheint auf den ersten Blick, ob Russland Georgien den Gashahn zudreht. Zwar hat Tiflis seine Abhängigkeit von Gas aus Russland verringert, seit Moskau Tiflis im Januar 2006 den Hahn schon einmal ganz sperrte. 2007 bezog Georgien nur noch 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Langfristig kann Moskau Georgien ohnehin nicht den Zugang zur Gaspipeline sperren, da durch diese auch Russlands Alliierter Armenien versorgt wird.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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