kalaydo.de Anzeigen

Europas Rechtsextreme: Es klappt nicht mit den Nachbarn

Mit der Vernetzung der europäischen extremen Rechten ist es lange nicht so weit her, wie die selbst ernannte Bürgerbewegung Pro Köln glauben machen will. Von Volker Schmidt

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, und dann geht's von vorne los: Mit der Vernetzung der europäischen extremen Rechten ist es lange nicht so weit her, wie die selbst ernannte Bürgerbewegung Pro Köln glauben machen will. "Rechtsdemokratisch" nennt Pro-Köln-Chef Markus Beisicht das Sammelsurium der zum "Anti-Islamisierungs-Kongress" Eingeladenen. In der Tat handelt es sich um Gruppen, die zwar zum Teil enge Verbindungen auch zur gewaltbereiten Skinhead- und Neonaziszene unterhalten, sich aber den Anstrich des Demokratischen geben und größtenteils auch regelmäßige Wahlerfolge einfahren.

Dass es den Wichtigtuern vom Rhein gelang, ein so disparates Bündel von Neofaschisten, Ausländerfeinden und Rassisten zusammenzutrommeln, liegt am gemeinsamen Oberthema: dem Islam, für die Rechten ein Synonym von Islamismus. Er dient den "Bewegungen" als Klammer und passt ins rassistische Weltbild.

Wer kommt?

Jean-Marie Le Pen, Vorsitzender des französischen Front National und angeblicher Hauptredner, behauptet, er habe nie vorgehabt, zum Kongress zu kommen. Nicolas Bay von der Konkurrenzpartei Mouvement National Républicain hat sich aber angesagt.

Heinz-Christian Strache, Chef der österreichischen FPÖ, sagte kurzfristig "aus Termingründen" ab - er muss entdeckt haben, dass nächste Woche gewählt wird. Generalsekretär Harald Vilimsky kommt aber. Nick Griffin, Vorsitzender der British National Party, verschwand klammheimlich von der Liste; sein Vorstrafenregister war wohl zu lang.

Filip DeWinter vom belgischen Vlaams Belang ist noch dabei, ebenso

Mario Borghezio, als Brandstifter verurteilter Lega-Nord-Politiker, und Luciana Martena von der Alleanza Nazionale. Reden will auch

Henry Nitzsche, aus der CDU nach rechts ausgetretener MdB.

Heiner Kappel, Ex-FDP, Ex-BFB, Ex-DP, ist sowieso immer dabei, wenn rechts der CDU Politik betrieben wird.

Aber die Ideologie der Rechtsextremen zeichnet sich dadurch aus, dass unterschiedliche, ja entgegengesetzte und oft reichlich verquere Ansätze gleichzeitig existieren. Im Dezember 2006 reisten deutsche und österreichische Rechte zu einer Konferenz von Holocaust-Leugnern in den Iran, auf Einladung des islamischen Hardliners Mahmud Ahmadinedschad: Wenn es gegen Juden geht, sind auch Muslime willkommene Verbündete. Und umgekehrt: Als der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano deutsche Muslime und den Kölner Moscheebau kritisierte, wurde er von Pro Köln und noch extremeren Rechten bejubelt.

Doch trotz der ideologischen Flexibilität, die Europas Rassisten und Neofaschisten mitbringen, klappt es nicht mit den Nachbarn. Gut, es gibt Verbindungen, vor allem in der von gemeinsamen Vorlieben für Gewalt und rohe Musik geprägten Skinhead- und Neonaziszene. Man besucht einander wie am vergangenen Wochenende beim "Fest der Völker" im thüringischen Altenburg, veranstaltet konspirative Konzerte in Grenznähe.

Auf der politischen Ebene aber läuft es einfach nicht. Eine gemeinsame Fraktion der Rechtsextremen im Europaparlament löste sich im November 2007 auf. Gegründet hatte sie sich erst im Januar zuvor, um an den Fraktionsstatus und damit an Mittel von rund einer Million Euro im Jahr zu kommen. Als aber die italienische Faschistin Alessandra Mussolini gegen kriminelle Rumänen wetterte, schied die Großrumänenpartei PRM aus dem Bündnis aus - die Enkelin des Duce habe den Unterschied zwischen Rumänen und Roma nicht beachtet. Eine von 1989 bis 1994 existierende Rechten-Fraktion scheiterte am Konflikt zwischen deutschen "Republikanern" und den italienischen Neofaschisten um den Status Südtirols.

Auf wen auch immer sich die Rechtsextremen gerade stürzen, Juden, "Asylanten", Muslime, Bewohner des Nachbarlandes oder Teile des eigenen Staates wie Lega Nord und Vlaams Belang - die Basis ihrer Ideologie sind Ausgrenzung und Ressentiment. Wer sich ihnen anschließt, bringt meist eine psychologische Grundstruktur mit, die nicht auf Kompromiss und Zusammenarbeit ausgelegt ist. Führerfiguren wie Le Pen oder der Österreicher Jörg Haider müssen Selbstdarsteller sein und sind oft Egomanen, keine Integrierer.

Für die Wahl zum Europaparlament 2009 wollten es FPÖ, Front National, Vlaams Belang und die bulgarische Ataka-Partei noch einmal versuchen. Bis Ende 2008 wollten sie eine gemeinsame Parteistruktur schaffen, Arbeitstitel: "Europäische Patriotische Partei". Seit der Ankündigung im Januar ward davon nichts mehr gehört.

Autor:  VOLKER SCHMIDT
Datum:  20 | 9 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Neuste Bildergalerien Politik
Bekannt wurde Nicolas Sarkozy für seine ausdrucksstarke Mimik und seine ausholenden Gesten. Hier mit seinem belgischen Finanzminster-Kollegen Didier Reynders im November 2004 bei einem Eurogruppen-Meeting in Brüssel.
Nicolas Sarkozys Karriere in Bildern
Ein Bestattungswagen steht hinter einem beschädigten Reisebus auf der Autobahn 4 bei Hainichen.  Foto: Hendrik Schmidt
Blitzeis auf Autobahn - Schweres Busunglück
Nur noch wenige Projektgegner sind laut Polizei auf dem Gelände. Foto: Bernd Weißbrod
Polizei räumt Schlossgarten für Stuttgart-21-Baustelle
Pro-Tibet-Proteste in Washington
Sieben Lastwagen und 15 Autos sind in der Nacht auf der A 57 bei Dormagen ineinandergerast. Foto: Oliver Berg
Toter und 13 Verletzte bei Massenkarambolage auf A 57
Was verdienen die Deutschen? Bei ihrer Regierungschefin lässt sich das klar beantworten. Laut Bundesministergesetz stehen Angela Merkel derzeit monatlich 19.705,68 Euro zu. Hinzu kommen Dienstaufwandsentschädigungen und eine Amtswohnung.
Was die Deutschen verdienen
Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (241 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Die Szene, die zum umstrittenen Strafstoß führte.
Eintracht gegen Düsseldorf 
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Sascha Rösler, Agent Provocateur
Sascha Rösler 
Spezial

Das Land Hessen entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Was steckt dahinter?

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!