Die Drohungen sind schrill, die Repliken scharf: 28 Jahre nach dem Falkland-Krieg ist zwischen Argentinien und Großbritannien die Kontroverse über die karge Inselgruppe vor Feuerland neu entfacht. Nur geht es diesmal nicht nur um 3000 Einwohner und 500.000 Schafe: Es geht um viel mehr. Es geht um Öl.
Der argentinische Außenminister Jorge Taiana hat sich nun bei den Vereinten Nationen über "illegale" Bohrungen britischer Ölgesellschaften vor den Falkland-Inseln beschwert. Taiana kam am Mittwoch am UN-Hauptsitz mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zusammen und protestierte gegen das "einseitige" Vorgehen. Es belaste die Beziehung zwischen beiden Ländern, sagte der Minister.
Am Montag hatte die britische Firma Desire Petroleum auf der Plattform Ocean Guardian mit Probebohrungen vor den Falklandinseln begonnen. Die Firma hatte die Bohrplattform zuvor von Schottland aus über den Atlantik bis zu einem Gebiet rund 100 Kilometer nördlich der Inseln geschleppt. Die Plattform befinde sich "eindeutig in britischen Gewässern", teilte das Unternehmen mit. Die Bohrungen würden voraussichtlich 30 Tage dauern.
Kurz darauf trafen sich 25 lateinamerikanische Staats- und Regierungschefs zu einem Gipfel im mexikanischen Cancún. Dort verhandeln sie eigentlich über einen neuen Staatenbund nach dem Vorbild der EU. Stellvertretend für die gesamte Region bekräftigte Gastgeber und Mexikos Staatschef Felipe Calderón das "legitime Recht Argentiniens im Hoheitsstreit mit Großbritannien". Argentiniens Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner warnte die britische Regierung vor den Bohrungen vor den Islas Malvinas, wie die Argentinier die Falklandinseln nennen. Es handele sich um eine "Frage der Selbstverteidigung". Buenos Aires hatte schon zuvor protestiert: Großbritannien versuche, "einseitig und illegal Rohstoffe abzubauen, die der Republik Argentinien gehören", sagte Vize-Außenminister Victorio Taccetti. Sein Land werde Mittel finden, diesen Vorgang auf friedlichem Wege zu stoppen.
Das britische Außenamt entgegnete, die Bohrungen ständen "in völliger Übereinstimmung mit dem Völkerrecht" und es stehe niemandem zu, den Firmen ihre Pläne zu verbieten. Am Montag sagte Verteidigungsstaatssekretär Bill Rammell vor dem Unterhaus, die Regierung werde "alle notwendigen Schritte" unternehmen, die Inseln zu schützen. Dies habe man Buenos Aires mitgeteilt. Ausnahmsweise kann sich die Labour-Regierung dabei der Unterstützung der konservativen Opposition sicher sein: Keine noch so große Einschüchterung werde den "fundamentalen Aspekt der Selbstbestimmung ändern", erklärte der verteidigungspolitische Sprecher der Tories, Liam Fox.
Argentinien erhebt Anspruch auf die Inseln, seit die Engländer 1833 dort einen Flottenstützpunkt errichteten. Die Auseinandersetzung gipfelte 1982 im Falkland-Krieg, in dessen Verlauf die argentinische Armee das Territorium besetzte und 649 Argentinier sowie 255 Briten starben. Seitdem wurde die Militärpräsenz auf dem Archipel verstärkt.
Wie groß der Ölreichtum vor den Falklands ist, kann nur geschätzt werden. Die letzte Probebohrung liegt zwölf Jahre zurück. Damals galt die Förderung in diesem entlegenen Gebiet als unwirtschaftlich. Eine Studie der British Geological Society geht nach Angaben der Times von 60 Milliarden Barrel aus. Das wäre vergleichbar mit dem Ölvorkommen der Nordsee und würde erklären, weshalb die Inseln wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken. Die Aktien der Ölfirma Desire Petroleum sind in den letzten Monaten zwischenzeitlich um bis zu 25 Prozent gestiegen.
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