Es geht wieder los und diesmal hat er es als wohl kalkulierte mediale Inszenierung selbst ausgelöst. Mit einem Interview in der Wochenzeitung Die Zeit und einem in der nächsten Woche erscheinendem Buch (im Herder Verlag) wirft der erst im März diesen Jahres vom Amt des Verteidigungsministers zurückgetretene Karl Theodor zu Guttenberg die Skandalmaschine um seine plagiierte Doktorarbeit wieder an.
Die Frisur ist neu, die Brille verschwunden, aber die egozentrische Selbstdarstellung ist geblieben. „Es war kein Betrug“, ist das Gespräch mit Zeit-Herausgeber Giovanni di Lorenzo überschrieben. Aber hinsichtlich der von der Universität Bayreuth nachgewiesenen Täuschung bei seiner Doktorarbeit bleibt Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Version der Arbeitsüberlastung. Zur Herstellung des Plagiats präzisiert der 39jährige Ex-Minister: „Ich war ein hektischer und unkoordinierter Sammler. Immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass etwas zu meinem Thema passt, habe ich es ausgeschnitten oder kopiert oder auf Datenträger sofort gespeichert oder direkt übersetzt.“ Was man so macht, wenn man Material anhäuft. Guttenberg habe seine Arbeit auf vier Computern geschrieben und auf insgesamt 80 Datenträgern abgespeichert. „80 Datenträger?“ fragt die Lorenzo verwundert und Guttenberg legt zum Beweis seines unkoordinierten Tuns nach. „Ich habe den Blödsinn wirklich selber verfasst, und ich stehe auch dazu.“ Den Verdacht, dass er die Dienste eines Ghostwriters in Anspruch genommen habe, weist Karl-Theodor zu Guttenberg weit von sich. „Wenn ich die Absicht gehabt hätte, zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist.“
Bis zur vermeintlichen Selbsterniedrigung
Karl-Theodor zu Guttenberg gesteht seine Fehler bis zur vermeintlichen Selbsterniedrigung. „Überfordert! Dumm! Eitel!“ titelte am Donnerstag die Bild-Zeitung, die doch so lange an dem talentierten Politiker festgehalten hatte. Und in der egomanischen Betrachtungsweise des eigenen Falls übersieht zu Guttenberg wohl auch, dass er abermals der Universität, die seine Doktorarbeit angenommen hatte, in allerschlechtestem Licht erscheinen lässt. Wenn es denn jener Blödsinn war, den er verzapft zu haben eingesteht, stellt sich erneut die Frage, warum die wissenschaftlichen Instanzen nichts bemerkt haben. Karl-Theodor zu Guttenberg strickt kräftig an seiner Legende und nimmt einmal mehr keine Rücksicht auf jene, die ein Teil der Affäre sind und bleiben. Über Oliver Lepsius von der Universität Bayreuth, der zu Guttenberg des Betrugs bezichtigt hatte, sagt Guttenberg: „Es zeugt nicht von großer juristischer Kunstfertigkeit, einen Betrugsvorwurf zu zimmern, wenn jeder Jurist sofort weiß, es kann rechtlich kein Betrug sein, ganz egal, wie man zu Guttenberg steht. Ich war über diesen Herrn schon erstaunt.“
Erstaunt kann man allerdings auch über Karl-Theodor zu Guttenberg sein, dessen Demut in dem Gespräch mehrfach in bemerkenswerte Selbstgerechtigkeit übergeht. Der juristische Fall Guttenberg scheint erledigt. Der politische beginnt gerade wieder neu und gewiss auch die Debatte über Anstand, Glaubwürdigkeit und Professionalität. Wie ein hektischer und unkoordinierter Sammler es in das Amt schaffen konnte, das die Oberaufsicht über die Bundeswehr hat, ist auch als politisches Problem noch nicht annähernd verarbeitet.
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