Die Soko "Fürstenzell" steht mächtig unter Druck. 50 Beamte fahnden "rund um die Uhr" in der Region Passau und im benachbarten Österreich nach dem mutmaßlich rechtsextremen Täter, der am vergangen Wochenende den Passauer Polizeichef Alois Mannichl vor seinem Wohnhaus niedergestochen und schwer verletzt hatte.
Am Mittwochabend ist gegen ein Ehepaar aus München Haftbefehl erlassen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen der 33-jährige Mann und die 22-jährige Frau den noch flüchtigen Täter bei dem Attentat unterstützt haben. Die Haftbefehle seien vom Amtsgericht Passau wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr erlassen worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch. Am Dienstag hatten die Ermittler in München die Frau und den Mann festgenommen. Das "polizeibekannte" Paar soll der rechten Szene angehören.
Zeugen wollen die 22-Jährige kurz vor dem Attentat in Mannichls Wohnort Fürstenzell mit einem Mann gesehen haben, auf den die Täterbeschreibung passt. Mannichl hatte ihn als etwa 1,90 Meter groß, kräftig, mit Glatze und rundem Gesicht beschrieben. Die Polizei vermutet, dass er einen Komplizen hatte und ein Fluchtauto benutzte. In der Nähe des Tatorts wurde ein Auto mit Münchner Kennzeichen entdeckt.
Das Münchener Paar soll bei verschiedenen rechtsradikalen Kundgebungen gesehen worden und mit sogenannten Propagandadelikten aufgefallen sein. Auch sollen die beiden im Juli auf der Beerdigung des Alt-Nazis Friedhelm Busse gewesen sein, bei der es zu Ausschreitungen zwischen Polizei und Rechtsradikalen kam. Die Ermittler vermuten einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen, da der Täter kurz vor seinem Angriff auf Mannichl gesagt haben soll: "Viele Grüße vom nationalen Widerstand. Du linkes Bullenschwein, du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum."
Unterdessen fahnden Staatsanwaltschaft und Polizei in einem bundesweiten Aufruf nach dem Täter und nach einem weiteren Komplizen aus der Neonazi-Szene. Die Sonderkommission hat aufgrund von Zeugenangaben detaillierte Beschreibungen der beiden glatzköpfigen Männer veröffentlicht. Sie sollen am Tattag in Fürstenzell bei Passau, dem Wohnort von Mannichl, gewesen sein.
Bei dem Täter soll es sich um einen 25 bis 35 Jahre alten, etwa 1,90 Meter großen Mann handeln, der bayerischen oder österreichischen Dialekt spricht. Der Täter soll eine in der Skinheadszene übliche Bomberjacke getragen haben und im Halsbereich eine Tätowierung oder ein größeres Muttermal haben. Der gesuchte Helfer soll etwas älter sein und hinter dem linken Ohr ein Tattoo in Form einer grünen Schlange haben. Die Kriminalpolizei schließt aufgrund der Ähnlichkeit der Beschreibungen aber nicht aus, dass es sich letztlich nur um einen Mann handelt.
Ein weiterer Münchner, der am Mittwoch vorläufig festgenommen wurde, ist wieder freigelassen worden. Der Mann sei als Zeuge vernommen worden, habe sich aber zunächst geweigert, Angaben zu machen, begründeten die Ermittler die vorübergehende Festnahme.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) hatten am Dienstag ein Maßnahmenpaket zur besseren Bekämpfung des Rechtsextremismus im Freistaat angekündigt, zu dem auch die Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die NPD zählt. Die SPD wirft der CSU dagegen vor, zu wenig gegen Rechtsextremismus zu tun. So fehle das Thema in der Aus- und Weiterbildung von Pädagogen, Polizeibeamten und Justizmitarbeitern. Auch gebe es keine staatliche Untersuchung über die Verbreitung von Rechtsextremismus in Bayern.
Der Mordanschlag auf den Passauer Polizeidirektor wird auch das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) des Bundestages beschäftigen. Ziel ist die Durchleuchtung der Hintergründe und der rechtsextremistischen Bewegungen in der Region um Passau. (mit dpa)
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