Zwei Wochen nach dem vermutlich rechtsradikalen Messerattentat auf Passaus Polizeichef Alois Mannichl wartet die Sonderkommission weiter auf einen Fahndungserfolg. "Wir haben Hinweise bekommen, aber wir haben keine heiße Spur", räumte Polizeisprecher Thomas Plößl am Freitag ein. Auch die Veröffentlichung von zwei neuen Phantombildern habe über Weihnachten keine neuen Anhaltspunkte ergeben.
Eine 50-köpfige Sonderkommission fahndet nach einer Gruppe von vier Männern und einer Frau. Sie sollen sich am Tag der Messerattacke in Fürstenzell aufgehalten haben. Eine entscheidende Spur haben die Ermittler bislang jedoch nicht.
Die Stadt Passau versucht derweil, eine Demonstration abzuwehren, die die rechtsextreme NPD am 3. Januar in der Stadt abhalten will. Ein bekanntes NPD-Mitglied beantragte nach Angaben der Stadt eine Kundgebung. Die Stadt prüft, ob sie den Aufmarsch juristisch verbieten kann.
Prävention im Kindesalter nötig
Gegen die steigende Zahl rechtsextremistischer Straftaten fordern Wissenschaftler nun Prävention schon in der frühen Kindheit. Die Arbeit mit aggressiven Kindern sollte früh beginnen, forderte der Aggressionsforscher Klaus Wahl vom Deutschen Jugendinstitut. Viele Gewalttäter fielen schon im Kindergarten durch ihre hohe Aggressivität auf. Dennoch seien die Projekte von Bund und Ländern gegen Rechtsextremismus hauptsächlich auf Jugendliche konzentriert, kritisierte der Forscher.
Das Aggressionspotential gedeiht zudem auf einem für Rechtsextreme fruchtbaren Boden: Laut einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ist jeder fünfte Bundesbürger Ausländern gegenüber negativ eingestellt und pflichtet fremdenfeindlichen Parolen bei. Während solche Meinungen in den alten Bundesländern abnähmen, stießen sie in Ostdeutschland offenbar zunehmend auf offene Ohren. Dort teilt inzwischen fast jeder Dritte eine ausländerfeindliche Haltung, geht aus der Untersuchung hervor.
Die politische Stärke der rechten Parteien kommt vor allen aus der Gruppe der jungen Männer. In den neuen Ländern votierten sogar 9,5 Prozent der männlichen Jungwähler für die NPD. Der Wissenschaftler Wahl glaubt nicht, dass allein soziale Faktoren wie etwa Angst vor Arbeitslosigkeit das Phänomen der Ausländerfeindlichkeit erklären. Die Lebensläufe rechter Gewalttäter zeigten, dass die Lust am Prügeln meist lange vor der Entstehung eines politischen Weltbildes zutage getreten war. Rechte Ideologien spielen in diesem Alter noch keine Rolle. Die unheilvolle Allianz aus Gewaltbereitschaft, Fremdenfurcht und autoritärer Ideologie entsteht erst ab der Pubertät. ddp/ap/fr
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