Der zweite Tag des Papstbesuchs in Großbritannien sollte im Zeichen der Ökumene, des Dialogs mit der Politik und dem Austausch mit anderen Religionen stehen. Er begann jedoch mit einem Terroralarm. Die Polizei nahm gegen 5.45 Uhr fünf Männer und später einen weiteren Verdächtigen fest, die einen Anschlag auf das Oberhaupt der Katholiken geplant haben sollen.
Die Verdächtigen im Alter von 26 bis 50 Jahren sollen laut BBC aus Nordafrika stammen. Sie waren bei einem Straßenreinigungsunternehmen beschäftigt, das für den Londoner Bezirk Westminster arbeitet, jenen Teil der Londoner Innenstadt, durch den am Freitag der Weg des Papstes führte. Die Sicherheitsplanungen wurde überprüft und laut Scotland Yard für ausreichend befunden. Papst-Sprecher Federico Lombardi erklärte, man habe vollstes Vertrauen in die britische Polizei. Benedikt XVI. wird zusätzlich von eigenen Bodyguards bewacht, Mitgliedern der Schweizergarde.
Alle sechs Männer wurden mittlerweile wieder freigelassen. Es werde keine Anklage erhoben, teilte die Polizei am Sonntag in London mit. Der Terrorverdacht hat sich nicht bestätigt.
Vier Ex-Premiers hörten zu
Der Papst warnte vor der Verbannung der Religion aus der Öffentlichkeit in die Privatsphäre. Regierungen dürften Religion „nicht als Problem betrachten“. Er hatte für seine Rede den passenden Ort gewählt: die 1000 Jahre alte Westminster Hall, den ältesten Teil des Westminster-Palastes, der als Gerichts- und Parlamentssaal diente und in dem geschnitzte Engel von den Decken gucken. Gleich vier frühere Premierminister hörten zu: die 84-jährige Margaret Thatcher, John Major, Tony Blair und Gordon Brown. Der aktuelle Premier David Cameron, der der Beerdigung seines Vaters beiwohnte, wurde von Vize-Premier Nick Clegg und Außenminister William Hague vertreten.
Es war die wichtigste Rede des Papstes auf der Reise. Unter Verweis auf Thomas Morus erinnerte er an die Aufgabe der Religion als Korrektiv. Morus, Gelehrter am Hofe Heinrichs VIII., war in eben jener Halle zum Tode verurteilt worden, weil er sich weigerte, der katholischen Kirche die höchste Autorität abzusprechen. Laut Benedikt läuft das Christentum heute Gefahr, auch in Ländern an den Rand gedrängt zu werden, „die großen Wert auf Toleranz legen“.
Am Morgen hatte der Papst ein langes Gespräch mit dem Erzbischof von Canterbury geführt, dem Oberhaupt der weltweiten Anglikanischen Episkopalkirche und der Church of England, die sich im 16. Jahrhundert von Rom angewandt hatte. Die Beziehung beider Kirchen war zuletzt angespannt, weil der Papst Anfang des Jahres die Aufnahme abtrünniger anglikanischer Pfarrer in die Katholische Kirche ankündigte.
Zum Auftakt seines Besuches hatte der Papst eine „aggressivere Form des Säkularismus“ und „den Ausschluss von Gott, Religion und Tugend aus der Gesellschaft“ beklagt. Bei einer Begegnung mit Juden, Moslems, Hindus, Sikhs und anderen Gläubigen in London forderte er, die Religionen müssten sich „Seite an Seite“ für das Wohl der Gesellschaft einsetzen.
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