Berlin. Krisenzeiten sind Zeiten der Wirtschafts- und Finanzminister. Eine Bundesfamilienministerin ist da nicht unbedingt die erste Adresse. Doch Ursula von der Leyen (CDU) versuchte am Dienstag, wacker gegenzuhalten, als sie ihren Familienmonitor 2009 präsentierte. Es ist der zweite Bericht dieser Art, der Politik und Öffentlichkeit anhand von repräsentativen Befragungen erklären soll, was Familien wünschen und wie sie sich so fühlen in Deutschland.
Nimmt man die aktuelle Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesfamilienministeriums gemacht hat, als Stimmungsbarometer, dann wünschen sich Familien derzeit vor allem eins: In Zeiten der Krise soll der Staat vor allem die Arbeitslosigkeit bekämpfen und den wirtschaftlichen Abwärtstrend stoppen.
Wenn es konkret darum geht, welche gesellschaftliche Gruppe der Staat vorrangig unterstützen soll, dann haben einkommensschwache Familien mit Kindern und Alleinerziehende in Zeiten der Krise oberste Priorität. 80 Prozent der Befragten forderten, um sie solle der Staat sich an erster Stelle kümmern - deutlich vor seiner Unterstützung für Arbeitslose oder Rentner, ermittelte der Familienmonitor.
Auf der Wunschliste der Eltern mit Kindern steht die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter an allererster Stelle. Job und Kinder unter einen Hut zu bringen, ist dabei in der Wirtschaftskrise offenbar noch schwieriger geworden. 35 Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern - drei Prozent mehr als 2008 - urteilten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei heute gar noch komplizierter als vor zehn, fünfzehn Jahren. Vor allem Männer vermissen zunehmend ausreichende Zeit für ihre Familien. Die Mehrheit der Väter wünscht sich eine wöchentliche Arbeitszeit von maximal 40 Stunden. Tatsächlich arbeitet das Gros jedoch länger.
Ausreichende Betreuungsplätze in Krippe, Kita und Hort und der Ausbau der Ganztagesbetreuung in den Schulen sind deshalb für mehr als 70 Prozent der Befragten das Hauptaufgabenfeld staatlicher Familienpolitik. Dass die Politik hier ihre Hausaufgaben ausreichend gemacht hat, beurteilt fast ein Drittel der Eltern minderjähriger Kinder weiter skeptisch. Immerhin 46 Prozent der Befragten Mütter und Väter sahen die Kinderbetreuung "auf gutem Weg".
Und die Bundesfamilienministerin konnte bei der Vorstellung des Familienmonitors eine längst überfällige Erfolgsbotschaft verkünden: Von den 750 Millionen Euro, die der Bund für den Ausbau der Kleinkinderbetreuung zur Verfügung gestellt hat, sind jetzt 520 Millionen für konkrete Krippen-Ausbauprojekte bewilligt worden. Im letzten Jahr hatten die Länder gerade mal einen Bruchteil der Mittel in Höhe von 60 Millionen Euro tatsächlich abgerufen. "Der Flaschenhals ist überwunden", sagte von der Leyen jetzt , "der Ausbau hat vor Ort deutlich an Dynamik gewonnen".
Auch im zweiten zentralen Projekt ihrer Familienpolitik sieht sich von der Leyen bestätigt: die Zustimmung zum Elterngeld ist weiter gewachsen. Urteilten im Dezember 2006 rund zwei Drittel der Bevölkerung, dass das Elterngeld eine gute Sache sei, waren es im Juni 2009 77 Prozent. Bei den Beziehern des Elterngeldes selbst, lag die Zustimmung zu der Lohnersatzleistung sogar bei 90 Prozent.Vor allem bei den jungen Vätern erreicht die Akzeptanz ein Rekordniveau. Im ersten Quartal 2009 wuchs der Anteil der männlichen Elterngeldbezieher auf 18,4 Prozent - drei Prozent mehr als 2008. Rund die Hälfte der Mütter und Väter beziehen dabei das Elterngeld nacheinander. 38 Prozent nehmen eine gemeinsame Auszeit für die Baby-Betreuung.
Von der Leyen bekräftigte ihre Pläne für eine Streckung und Flexibilisierung des Elterngeldes. Mütter und Väter, die von Voll- auf Teilzeit wechseln, sollen eine längere Babypause durch ein Teilelterngeld finanziell abfedern können. Ein längerer Ausstieg aus dem Job erweist sich jedoch gerade für junge Mütter als großes Hindernis beim Wiedereinstieg in den Beruf. Jede dritte Frau, die nach der Elternzeit nicht direkt in den Beruf zurückkehrte, musste sich eine neue Stelle suchen.
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