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07. September 2012

FARC Kolumbien: Präsident lehnt Waffenstillstand ab

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos inmitten seiner Soldaten. Foto: REUTERS

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos lehnt ein Waffenstillstandsangebot der Rebellenbewegung FARC ab. Vielmehr sollen die kolumbianischen Streitkräfte und die Polizei ihre Offensive noch intensivieren.

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Die kolumbianische FARC-Guerilla will der Regierung einen beiderseitigen Waffenstillstand vorschlagen. Die Guerilla werde den Vorschlag unterbreiten, sobald beide Seiten vom 8. Oktober an in Oslo am Verhandlungstisch säßen, sagte der FARC-Kommandeur Mauricio Jaramillo am Donnerstag in Havanna. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos erteilte dem Vorschlag eine Absage und kündigte eine Intensivierung des Militäreinsatzes an.

Jaramillo unterstrich während einer Pressekonferenz in der kubanischen Hauptstadt, dass es um eine „beiderseitige Waffenruhe“ gehe. „Wir werden sie vorschlagen, wir werden dafür kämpfen, wir werden sie dort am Verhandlungstisch diskutieren, diese beiderseitige Waffenruhe“, sagte er. Der FARC-Kommandeur fügte hinzu, dass die Guerilla niemanden mehr verschleppe und nicht in den Drogenhandel verwickelt sei.

Monate, nicht Jahre

Die Angaben Jaramillos, wonach die Verhandlungen unter Vermittlung Norwegens am 8. Oktober beginnen, bestätigte die kolumbianische Regierung zunächst nicht. Santos hatte lediglich gesagt, die Verhandlungen würden in der ersten Oktoberhälfte beginnen. Sie würden „Monate, nicht Jahre“ dauern, hatte er versichert.

Santos schloss aus, vor einer Einigung mit der FARC einen Waffenstillstand zu schließen. Vielmehr kündigte er an, dass die Soldaten ihren Einsatz gegen die Guerillagruppe „intensivieren“ würden. „Es wird keine Waffenruhe geben, solange wir keine abschließende Einigung haben“, sagte Santos am Donnerstag in einer Rede vor Generälen im Armee-Ausbildungszentrum in Tolemaida südwestlich von Bogotá. Eine Waffenruhe sei „nicht lebensfähig, nicht machbar“.

60 Jahre Gefängnis

Zuvor hatte Santos die FARC zu „Realismus“ aufgerufen. Er bezog sich damit auf die Forderung Jaramillos, das derzeit in den USA inhaftierte FARC-Führungsmitglied Simón Trinidad an den Friedensverhandlungen zu beteiligen. Der 62-jährige Trinidad, mit richtigem Namen Ricardo Palmera, wurde in den USA wegen der Beteiligung an Planungen zur Entführung dreier US-Bürger zu 60 Jahren Gefängnis verurteilt.

Santos sagte, die Regierung habe „kein Veto“ für die von der FARC ernannten Gesandten. „Aber es gibt welche, die da sein können und andere, die es nicht können.“ Jaramillo zufolge sollen der FARC-Delegation Ivan Marquez vom Generalsekretariat der Guerilla-Organisation und José Santriz vom Generalstab der FARC angehören. Weitere Delegationsmitglieder würden später genannt.

Der vierte Versuch

Für die Regierung sollen der ehemalige Polizeichef Oscar Naranjo, der Ex-Militärkommandeur Jorge Enrique Mora Rangel und der Sicherheitsberater des Präsidenten, Sergio Jaramillo, an den Verhandlungen teilnehmen. Außerdem gehören Ex-Umweltminister Frank Pearl und der Vorsitzende des Industriellen-Verbands, Luis Carlos Villegas, der Regierungs-Delegation an.

Die im Oktober beginnenden Verhandlungen sind der vierte Versuch, den seit drei Jahrzehnten andauernden blutigen Konflikt zwischen der ältesten und größten Guerillagruppe Kolumbiens und der Regierung beizulegen. Nach offiziellen Angaben zählt die FARC noch 9200 Kämpfer. Die Friedensverhandlungen, an denen auch Venezuela und Chile beteiligt sind, sollen im Anschluss an Oslo in Havanna fortgesetzt werden.

In Bogotá demonstrierten am Donnerstag dutzende Angehörige von Geiseln der FARC. Laut der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation País Libre hält die Guerilla noch 405 Menschen gefangen, andere Organisationen sprechen von tausenden Geiseln. (afp)

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