In Rio de Janeiro sollen demnächst Mauern um die Slums gezogen werden. Den Vorwurf, damit sollten die Reichen von den Armen geschützt werden, weist die Stadtverwaltung zurück. Es gehe vor allem darum, den Wald zu erhalten, den illegale Siedler immer weiter zerstören. "Es ist eine ökologische, keine soziale Debatte", meint Regina Chiaradia, Vorsitzende der Anwohnervereinigung von Botafogo, einem bürgerlichen Viertel, an dessen Rand sich der Slum Dona Marta den steilen Hang hochzieht: "Ich vermeide das Wort Mauer und spreche lieber von Öko-Grenzen." Wie auch immer - das in Angriff genommene Bauwerk ist gewaltig: über drei Meter hoch, aus Beton und an der Basis mit Eisenarmierungen verstärkt.
Die Mauer soll künftig, in einer Länge von über elf Kilometern, etwa 40 Favelas teilweise einsäumen. Die Stadt will sich das 13 Millionen Euro kosten lassen und beteuert, es gehe in erster Linie um den Schutz des Waldes. Auch solle die Mauer erschweren, dass sich Verbrecher, vor allem die Drogen-Banden, der Wälder als Flucht- oder Aufmarschgebiet bedienen für die Invasion benachbarter Favelas, in denen sie den Drogenhandel übernehmen wollen.
Seit 2005 sind amtlichen Angaben zufolge 200 Hektar Wald vernichtet worden, was die Stadtverwaltung vor allem auf die illegale Ausbreitung der Favelas zurückführt. In den bisher veröffentlichten Plänen sind die Mauern tatsächlich so eingezeichnet, dass sie die Favelas vom Wald und nicht von den Vierteln der Reichen abtrennen. Der brasilianische Starjournalist Elio Gaspari schrieb dennoch, wenn eine Gemeinde glaube, ihre Probleme mit Mauern lösen zu können, laufe etwas schief - "vor allem wenn sie von jemandem regiert wird, der Abtreibung als Instrument der Sicherheitspolitik" bezeichnet habe, schrieb er in Anspielung an Sérgio Cabral, den Gouverneur von Rio.
Die Nachbarschaft der Slums zu den Reichen-Vierteln geht auf den Bau-Boom in den Fünfzigern zurück, als sich die Bauarbeiter provisorische Unterkünfte in der Nähe der Neubauten errichteten, dann aber blieben. Heute versuchen Stadtplaner zunehmend, die Slums zu, wenn auch bescheidenen, so doch normalen Vierteln aufzuwerten.
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