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Favorit Graumann: Juden suchen neue Spitze

Ein Generationswechsel steht dem Zentralrat der Juden bevor. Die bisherige Präsidentin Knobloch soll abgelöst werden. Ihr Nachfolger könnte die erste Führungsfigur sein, die nach dem Holocaust geboren ist. Von Matthias Arning

Dieter Graumann (Archivbild).
Dieter Graumann (Archivbild).
Foto: dpa

Ein Generationswechsel steht dem Zentralrat der Juden bevor. Bei der turnusgemäßen Wahl im November soll es einen Nachfolger für Präsidentin Charlotte Knobloch geben. Dem Vernehmen nach folgt ihr Dieter Graumann, bislang einer von zwei Vize-Präsidenten an der Spitze des Zentralrats. Der in Frankfurt am Main lebende Liegenschaftsverwalter wäre die erste Führungsfigur dieses Gremiums, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren ist und nicht mehr der Generation der Holocaust-Überlebenden angehört. Dieter Graumann ist Jahrgang 1950.

Graumann selbst wollte sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau nicht über die Spekulationen zum Führungspersonal des Zentralrats äußern. Er bestätigte allein, dass die zweite Kammer der Interessenvertretung, das Direktorium, am kommenden Sonntag in Frankfurt am Main zusammenkomme, um zu beraten. Ob es bei den Konsultationen der Vorsitzenden der Landesverbände bereits um die Frage der Nachfolger von Frau Knobloch gehe, wisse er nicht. Das Zusammentreffen sei kein außergewöhnliches; die Wahl des Präsidiums steht erst im November an.

Klar ist aber: An Kritikern mangelt es Charlotte Knobloch nicht, die sich als Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde in München für das Amt der Präsidentin und die Nachfolge des verstorbenen Paul Spiegel empfohlen hatte. In der Öffentlichkeit nahm man Knobloch vor allem als historisch motivierte Mahnerin wahr, weniger als moderne Managerin eines mit vielen sozialpolitischen Fragen konfrontierten Interessenverbandes. Alle jüdischen Gemeinden stehen vor der Aufgabe, Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion zu integrieren.

Schon für die Spiegel-Nachfolge galt 2006 eigentlich Salomon Korn, ebenfalls Vizepräsident, als Favorit. Der Architekt hatte den Vorsitz der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main vom charismatischen Ignatz Bubis übernommen, der sich im Zusammenhang mit dem 50. Jahrestag des Kriegsendes 1995 in viele Debatten eingemischt hatte. Korn tat es ihm nach: Der Intellektuelle beteiligte sich engagiert an der Debatte über das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Korn wollte aber nicht Präsident werden, unter Verweis auf seine Familie. Das wird jetzt nicht anders sein. Deshalb deutet alles auf Graumann: Bisher wurde noch stets ein Vize-Präsident später Präsident des Zentralrats. Bei Bubis, Spiegel und Knobloch war das nicht anders.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  6 | 2 | 2010
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