Stuttgart. Irgendwann hört Guido Westerwelle auf zu nicken, will nicht mehr aussehen wie ein Wackel-Dackel. Da hockt er nur noch, das Gesicht dem Redner zugewandt, lächelnd auf der Bühne des Stuttgarter Staatstheaters.
Selten war der FDP-Chef mit einer rhetorischen Leistung (außer der eigenen) so zufrieden wie mit dieser: Christian Lindner, 30 Jahre alt, hat beim Dreikönigstreffen einen furiosen Einstand als neuer Generalsekretär. Westerwelle, im 15. Jahr beim Traditionstreffen der Freidemokraten, mag sich an seine Vergangenheit erinnert fühlen, als er in Lindners Position den Alten die Show stahl.
Heute mit 48 ist er in seiner Partei der Alte, groß geschrieben und unangefochten. Auch wenn am Podium der Granden noch ein paar Lebensältere sitzen. Parteichef, Außenminister, Vizekanzler - die Titelhäufung spricht für sich.
Nach elf Jahren in der Opposition präsentiert sich die FDP wieder als Regierungspartei. Endlich schaut der politisch interessierte Teil der Nation wieder gespannt auf Stuttgart - umso mehr als ein Fernduell der beiden kleineren Regierungspartner zu besichtigen ist. Denn in Kreuth tagt die CSU fast zeitgleich. Ein Gutteil des Auftaktstreits der bürgerlichen Koalition geht auf das Konto der beiden, die auch in der alten Bundesrepublik schon zu beiderseitigem Nutzen miteinander Profil bildend gekabelt haben. Allerdings: Heute nervt der Streit die Leute - statt sie zu unterhalten.
Von Stuttgart aus unterhält heute einer, den die Leute noch nicht so kennen. Ein schlanker junger Mann, schwarzer Anzug, modisch eng geknöpft, tritt ans Pult - kein Manuskript, kein Notizzettel, nirgends ein Teleprompter mit Redetext. Christian Lindner, Ex-Medien-Unternehmer, Noch-Manager der NRW-FDP, hat die Chuzpe, seinen ersten Auftritt auf nationaler Bühne in freier Rede zu absolvieren.
Gleich kommt er auf die CSU zu sprechen. Aber sein Pendant Alexander Dobrindt findet er keiner namentlichen Erwähnung wert, der den Freidemokraten von Kreuth aus eins mitgegeben hat: Sie müssten sich wohl erst noch ans Regieren gewöhnen. Wie bitte? In Bundesländern mit addiert 63 Millionen Einwohnern sei die FDP an der Macht, rechnet der Lindner vor - mehr als die SPD und "mit Verlaub" auch die CSU. Von da an hat er den Saal fest im Griff. Und Westerwelle? Der Vorsitzende lässt sein polemisches Talent nur kurz aufblitzen. Ansonsten gibt er den Staatsmann. CSU. Ach iwo. Erika Steinbach? Wer ist das denn? Guido Westerwelle plädiert für "lange Linien" in der Politik - gegen kleinlichen Streit.
Eine Bemerkung kann er sich am Ende dann doch nicht verkneifen. Wer ihm vorwirft, er reise zu viel um die Welt, dem versichert er: Ich werde mich auch weiter einmischen in die deutsche Innenpolitik. Und wenn das für einige eine Drohung sei - umso besser.
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