kalaydo.de Anzeigen

FDP in Sachsen: Von Worten und Taten

Die FDP wollte Sachsen schlank machen: Steuern senken, das Landespersonal abbauen, vieles besser machen. Doch nach der Landtagswahl setzen die Liberalen Speck an. Von Bernhard Honnigfort

Holger Zastrow und Stanislaw Tillich.
Holger Zastrow und Stanislaw Tillich.
Foto: dpa

Im Landtagswahlkampf 2009, einer Zeit heißer Luft und starker Worte, versprach die FDP den Sachsen das Blau-Gelbe vom Himmel. Sparen wolle sie, sobald sie die CDU von ihrem unfähigen Koalitionspartner SPD befreit habe. Steuern senken, das Landespersonal abbauen, vieles besser machen. Schlank, so das Zauberwort, sollte Sachsen werden.

Viele Sachsen glaubten den Worten von FDP-Chef Holger Zastrow, dem Betreiber einer gleichnamigen Werbefirma, und bescherten den Liberalen mit zehn Prozent nicht nur den Wiedereinzug in den Dresdner Landtag, sondern auch gleich noch den Sprung auf die Regierungsbank neben CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Das ist nun fünf Monate her. Heute fragen sich etliche Sachsen, was in die FDP gefahren sein könnte und ob es Ministerpräsident Tillich eigentlich noch gibt. Die Opposition wundert sich gar nicht, sie vermisst gerade vergnügt den Abstand zwischen den Worten der FDP im Wahlkampf und ihren Taten in der Regierung.

Anstatt Posten zu schleifen und Geld zu sparen, wird munter zugegriffen. Was hatte die FDP als Oppositionspartei dagegen gewettert, dass der Landtag neben dem Präsidenten und zwei Vizepräsidenten noch einen dritten Posten für Gunther Hatzsch geschaffen hatte, einen SPD-Abgeordneten, den seine eigene Partei abgeschrieben hatte, dem jedoch das Wunder gelang, 2004 in Leipzig direkt gewählt zu werden. Der unwillkommene neue Held musste versorgt werden und wurde damals Vizepräsident Nummer drei.

Die Stille nach der Wahl

Weg mit dem Posten, wetterte die FDP, ein unglaublicher Fall von Steuerverschwendung. Doch nach der Wahl im Sommer 2009 wurde es still und zum Erstaunen vieler rückte der Liberale und Wirtschaftsprofessor Andreas Schmalfuß auf den Posten, der im Wahlkampf noch ein furchtbarer Skandal war.

Wunderliches tat sich auch im Dresdner Wirtschaftsministerium, das hervorragend mit einem einzigen beamteten Staatssekretär auskam. Nach der Wahl holte Minister Sven Morlok (FDP) den Fraktionsgeschäftsführer Roland Werner nach - ein zusätzlicher hochdotierter Posten. Um zu sparen, wendete man sich der Unterschicht zu und schaffte, auch zum Unmut mancher Christdemokraten, den Kombi-Lohn ab.

Richtigen Ärger bekam der Minister erst, als er eine ehemalige FDP-Abgeordnete zu seiner Ministeriumssprecherin machte. Isabel Siebert, nach Zeitungsberichten ohne die nötige Qualifikation, doppelte Studienabbrecherin und deshalb ohne die erforderlichen Zugangsvoraussetzungen, um gleich Referatsleiterin zu werden, soll zu "äußerst günstigen finanziellen Konditionen" eingestellt und verbeamtet worden sein.

"Die selbsternannte Steuersenkungspartei FDP aast mit den Steuergeldern der Bürger", schimpfte die Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau. Und SPD-Chef Martin Dulig spottete: "Früher machte die FDP noch Politik für ihre Klientel. Jetzt macht sie nur noch Politik für sich selbst."

Die FDP reagiert verärgert. Das sei eine "negative Kampagne" sächsischer Medien, teilte der Landesverband mit. Eine Kampagne, "bei der journalistische Sitten zunehmend verrohen". Starke Worte, mal wieder.

Autor:  Bernhard Honnigfort
Datum:  1 | 2 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!