Berlin. So zuvorkommend sind die Sprecher der Bundesregierung nicht immer. Sie ahne ja schon die Frage, sagte am Freitag Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach. Und deshalb verwies sie ungefragt auf Eigenheiten in der Ausdrucksweise von Vize-Kanzler Guido Westerwelle: "Das ist sicherlich weniger der Duktus der Kanzlerin", sagte Heimbach. Wenige Minuten später hatten die Agenturen die diplomatische Ohrfeige ins Hochdeutsche übersetzt: "Merkel distanziert sich von Westerwelle."
Möglicherweise war es genau das, was der FDP-Chef mit seinem eilig heruntergehackten Kurzkommentar in der Zeitung Die Welt bezweckt hatte: Aufmerksamkeit. Widerspruch. Alleinstellung. Jedenfalls zeigte er sich gestern im Auswärtigen Amt alles andere als zerknirscht. "Ich spreche die Sprache, die verstanden wird", verteidigte er seinen Rundumschlag gegen die Wohlstandsgesellschaft, die ihre Leistungsträger dem "Sozialismus" ausliefere und sich selbst in "spätrömischer Dekadenz" ergehe. "Das muss man in Deutschland noch sagen können", gab sich Westerwelle trotzig.
Aufschlussreicher als die Empörungsreaktionen der Westerwelle-Kritiker, die nicht lange auf sich warten ließen, erscheint die Motivforschung. Da verweisen Insider auf das Krisentreffen der FDP vom Sonntag, bei dem über schlechte Umfragewerte und den dauernden Versuch der Union geklagt wurde, den kleinen Koalitionspartner unterzubuttern. Man müsse dringend von "Leisetreterei" auf "Attacke" umschalten und "klare Kante" zeigen, forderten die FDP-Granden nach Teilnehmerangaben. Nun ist der Aufruhr da - wie bestellt.
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