Ist ein verurteilter Kriegsverbrecher und NS-Profiteur der passende Namenspatron für eine Schule? Die Frage schwelt schon lange in der nordrhein-westfälischen Gemeinde Kreuztal. Nun steuert der Streit um das Friedrich-Flick-Gymnasium auf die Entscheidung zu. Die Schule soll, so wollen es der Bürgermeister und die Schulkonferenz, ihren Namen verlieren. Vor rund 40 Jahren war das Flick-Gymnasium mittels einer Millionen-Spende des Stahlbarons und Rüstungsunternehmers gegründet worden. 20 Jahre ist es her, da wollten die Grünen in Kreuztal erstmals den Namen loswerden. Sie scheiterten aber damals mit ihrer Initiative im Stadtrat.
Nun sieht es besser aus - dank einer Aktion ehemaliger Schüler des Flick-Gymnasiums. Sie stellten im Frühjahr die Webseite www.flick-ist-kein-vorbild.de ins Netz und erinnerten daran, dass in Flicks Konzern während der Nazizeit 50 000 Zwangsarbeiter schufteten, von denen geschätzte 10 000 starben. Mit dem Diskussionsforum erreichten sie ein großes Medienecho. So groß, dass Bürgermeister Rudolf Biermann (CDU) nun "wieder Frieden nach Kreuztal bringen" will und man am Flick-Gymnasium um "den ungestörten Schulbetrieb" bangte. Die Schule könnte bald "Städtisches Gymnasium" heißen.
"Es geht mir darum, Schaden von der Stadt abzuwenden", sagt der 66-jährige Stadtchef. "Deshalb habe ich Position bezogen." Er will noch im November im Stadtrat über die Umbenennung abstimmen lassen und bis dahin möglichst viele in seiner eigenen Fraktion überzeugen. "Niemand soll sich verbiegen, aber ich will die Leute zum Nachdenken anregen", sagt Biermann. Die CDU, zunächst gegen die Umbenennung, ist in der Flick-Frage zerrissen. SPD, FDP und Grünen wollen den Namen weg haben.
Patrick Fick, 26, hat gemeinsam mit anderen die Initiative "Flick-ist-kein-Vorbild" gestartet. "Es ging uns darum, die Sprachlosigkeit aufzubrechen", sagt er. "Augen zu und durch - das geht nicht mehr." Der Ex-Schüler ist froh, etwas ins Rollen gebracht zu haben. Besonders freut sich Fick aber darüber, dass CDU-Bürgermeister Biermann in dem Namensstreit seine anfängliche Neutralität aufgegeben hat. "Dieser Schwenk ist ihm hoch anzurechnen."
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