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23. September 2015

Fliegerhorst Büchel: Moderne US-Atomwaffen für Deutschland

 Von 
Bürgerproteste im US-Stützpunkt Büchel: die Bundesregierung fordert seit langem einen Abzug der Amerikaner.  Foto: imago

Seit 2009 fordert die Bundesregierung den Abzug der amerikanische Streitkräfte. Die hingegen beginnen mit der Modernisierung ihres internationales Atomwaffen-Arsenals in Deutschland. Gegen den internationalen Trend.

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Sie sind die letzten ihrer Art in Europa: Rund 150 bis 200 amerikanische Atombomben – davon bis zu 20 auf dem US-Stützpunkt bei Büchel in der Eifel. Seit 2009 hat die deutsche Regierung immer wieder ihren Abzug gefordert. Doch nun beginnen die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit ihrer Modernisierung. Dazu werden auch die Sicherheitsvorkehrungen auf ihren sechs europäischen Atomwaffen-Standorten umfassend erneuert. Das bestätigte Otfried Nassauer vom Berliner Institut für Transatlantische Sicherheit unter Berufung auf Etat-Planungen der USA und der Nato. Die Atomwaffen der früheren Sowjetunion lagern heute ausschließlich in Russland.

Höchste Geheimhaltung

Das US-Programm steht unter höchster Geheimhaltung. Dennoch sickern immer wieder Einzelheiten durch. So wurde vor zwei Jahren ein Bericht der Nuklearen Sicherheitsbehörde über das Vorhaben an den Kongress bekannt. Im vorigen Jahr gab die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen zu, dass die USA ihre Bomben einem „Lebensverlängerungsprogramm“ unterziehen – ohne darüber mit ihr zu verhandeln. Außer in Büchel lagern die Bomben in Kleine Borgel (Belgien), Volkel (Niederlande), Aviano und Ghedi (Italien) sowie im türkischen Incirlik.

Von dem Stützpunkt in der Türkei aus – wo mehr als 80 Atomwaffen lagern sollen – fliegen US-Flugzeuge Angriffe gegen den „Islamischen Staat“. Satellitenaufnahmen zeigen umfangreiche Bauarbeiten. Dagegen haben Investitionen der Bundeswehr von über 100 Millionen Euro in den Standort Büchel nicht unmittelbar mit den Maßnahmen für die Atomwaffen zu tun. Diese werden aus den Etats der USA und der Nato finanziert.

Über die Modernisierung der Waffen selbst gibt es nur Berichte von Experten. In Europa lagern gegenwärtig verschiedene Varianten der Atombombe B 61. Seit Ende der 60er Jahre wurden davon mehr als 3000 Stück gebaut, von denen sich noch etwa 300 im aktiven Bestand befinden. Sie haben eine Sprengkraft die dem etwa vier- bis mehr als zehnfachen der Hiroshima-Bombe entspricht. Sie ist als einzige Atomwaffe außerhalb der USA stationiert.

Die B61 kann auf verschiedene Sprengstärken eingestellt werden. Die modernisierten Waffen haben eine erheblich geringere Zerstörungskraft als die bisherigen. Dafür treffen sie genauer, weil sie nicht mehr nur aus Flugzeugen abgeworfen, sondern auch gesteuert werden können, so dass sie ihre Ziele so sicher finden wie auf moderne Raketen montierte Sprengköpfe. Damit heben sie den Unterschied zwischen kürzer reichenden „taktischen“ und den weiter reichenden „strategischen“ Atomwaffen auf. Es kommt nur noch darauf an, welche Reichweite die Trägerflugzeuge haben.

Das Fliegerhorst Büchel. In unmittelbarer Nachbarschaft sollen die USA bis zu 20 Atomsprengköpfe vom Typ B-61 lagern.  Foto: picture alliance / dpa

Mitnehmen können sie auch Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr. Aber nur prinzipiell. Die „nukleare Teilhabe“ ist lediglich für den Ernstfall gedacht. Verfügungsgewalt über Atomwaffen hatte Deutschland nie. Im Kalten Krieg übte die Bundeswehr mit Attrappen aus Eisen. Dieses Training ist seit Jahren eingestellt.


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Die Modernisierung der B61 verfolgt nicht nur militärische Ziele. In einer Analyse des Programms schreiben die Sicherheitsexperten Otfried Nassauer und Gerhard Pieper auch, dass sie der Erhaltung industrieller Kapazitäten sowie der Qualifikation von Atomwissenschaftlern dienen.

Mehr dazu

Das Interesse der Bundeskanzlerin am Abzug der Waffen ist übrigens nicht sonderlich groß. Als Außenminister Guido Westerwelle sich in der letzten schwarz-gelben Koalition vehement für den Abzug starkmachte, ging Merkels außenpolitischer Berater Christoph Heusgen 2009 in Gesprächen mit Washington auf Distanz, wie durch die „Wikileaks“ bekanntwurde.

Unabhängig von der politischen Ausrichtung der Regierung setzen die USA auf die Modernisierung ihrer Atomwaffen. Aus Haushaltsunterlagen für den Kongress geht hervor, dass 2038 mit der Entwicklung einer B61-13 begonnen werden soll.

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