Nach blutigen Unruhen in einem von 100.000 Binnenflüchtlingen bewohnten Lager in Darfur haben die sudanesischen Behörden den internationalen Hilfswerken den Zugang verboten. „Wir befinden uns in einer ernsten Lage“, warnte der Sprecher des UN-Büros für die Koordinierung der humanitären Angelegenheiten (OCHA), Samuel Hendricks, am Wochenende. In dem am Rande der Stadt Nyala entstandenen Flüchtlingslager Kalma waren Kämpfe zwischen den Anhängern rivalisierender politischer Gruppen ausgebrochen. Hunderte Lagerbewohner gingen mit Schusswaffen, Macheten und Stöcken aufeinander los, wobei mindestens fünf Menschen ums Leben kamen. Laut Hendricks flohen 5000 Menschen aus ihren Zelten, um bei einem nahen Polizeiposten Schutz zu suchen.
Auslöser der Unruhen sind die unter der Ägide der UN in Doha (Qatar) laufenden Friedensverhandlungen zwischen der sudanesischen Regierung und den wichtigsten Aufständischen-Fraktionen in Darfur. Politische und ethnische Gruppen, die sich von den Verhandlungen ausgeschlossen fühlen, äußerten ihren Unmut in blutigen Auseinandersetzungen im Lager Kalma. Der sudanesische Provinzgouverneur Abdul Hammid Musa Kasha forderte daraufhin die aus Blauhelmen der UN und Soldaten der Afrikanischen Union zusammengesetzte Friedenstruppe (Unamid) auf, die Lagerbewohner zu entwaffnen, was keine einfache Sache ist.
Ende vergangener Woche flog Unamid-Chef Ibrahim Gambari in die Hauptstadt Khartum, um gemeinsam mit Innenminister Ibrahim Mahmud Hamid den Konflikt zu entschärfen. Die Spannungen in Kalma drohen auf andere Flüchtlingslager in Darfur und im benachbarten Tschad überzugreifen, in denen nach den Zahlen der UN 2,7 Millionen Menschen ohne Hoffnung auf baldige Heimkehr hausen.
Die UN verlangen von der sudanesischen Regierung, die Verteilung von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern in Kalma wieder zuzulassen. Ausgesperrt wurden nicht nur die humanitären UN-Organisationen, sondern auch die privaten Hilfswerke. „Die Menschen in dem Lager leben bereits unter äußerst prekären Bedingungen, und das jetzt mitten in der Regenzeit“, erklärte OCHA-Sprecher Hendricks.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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