kalaydo.de Anzeigen

Flüchtlingsabkommen: Mehr als 20.000 müssen gehen

Für viele Kosovo-Flüchtlinge gibt es jetzt keine Hoffnung mehr auf eine Altfallregelung und dauernden Aufenthalt in Deutschland. Das bewirkt das Rückübernahmeabkommen mit Pristina. Von Ursula Rüssmann

Ab sofort müssen sie zittern: Für 14.000 Kosovo-Flüchtlinge läuft die Zeit in Deutschland definitiv ab. Sie gelten als "ausreisepflichtig" und fallen deshalb unter das zwischen Berlin und Pristina geschlossene Rückübernahmeabkommen. Dass aus ihrer befristeten Duldung irgendwann ein sicherer Aufenthalt werden könnte, dass sie auf die nächste Altfallregelung hoffen, ihre Kinder hier eine Zukunft haben könnten - das ist seit der Unterzeichnung so gut wie ausgeschlossen.

Das Abkommen verpflichtet nämlich den Kosovo, auch die Kinder der Betroffenen und ihre Ehepartner aufzunehmen - selbst wenn letztere nicht aus dem Kosovo kommen. Kritiker fürchten deshalb, dass weit mehr als 20.000 Menschen gehen müssen.

Zwar wurde auch bisher schon in den Kosovo abgeschoben, so 2009 etwa 540 Menschen. Dennoch nennt Pro Asyl die Folgen des Abkommens "dramatisch", weil der Druck auf den Kosovo deutlich steigt, die Menschen zurückzunehmen. Und vor allem, weil die allermeisten von ihnen schon seit vielen Jahren in Deutschland leben und ihre Kinder hier geboren wurden. Denn von den heute deutlich über 50.000 Kosovaren in Deutschland floh die Hälfte schon während des Nato-Feldzugs 1999 hierher - die meisten von ihnen Roma. Seit 2004 nahm Deutschland keine Kosovo-Flüchtlinge mehr auf.

In Kraft ist die Vereinbarung noch nicht. Die Kosovo-Regierung ist noch dabei, die "innerstaatlichen Voraussetzungen" zu schaffen, womit eine rudimentäre Aufnahmestruktur gemeint sein dürfte. Das dürfte in einigen Wochen, spätestens Monaten, der Fall sein. Dass auf Wunsch Pristinas nicht mehr als 2500 Flüchtlinge pro Jahr zurückgeführt werden sollen, heißt für die Betroffenen: Auf sie kann eine bis zu zehnjährige Hängepartie zukommen. Es kann aber auch ganz schnell gehen: Manche Bundesländer wie das Saarland und Niedersachsen warten nicht mal das Auslaufen der Duldung ab, bevor sie abschieben.

Die Bundesregierung beteuert zwar, abgeschoben würden "grundsätzlich" vorrangig Straftäter, Alleinstehende und Empfänger staatlicher Hilfen. Tatsächlich geht aus Statistiken aber anderes hervor: Familien stellen längst ein gutes Drittel der Betroffenen, Tendenz steigend.

Berlin hat Pristina zugesagt, bei den Rückführungen auf ein "angemessenes Verhältnis der verschiedenen Ethnien" zu achten. Aber wie, wenn fast alle der 14.000 zu Minderheiten gehören? Knapp 10.000 sind Roma, weitere 2000 sind Ashkali, Serben oder sogenannte "Ägypter".

Vor allem die Roma sieht das UN-Flüchtlingskommissariat im Kosovo "weiterhin schwerwiegenden... Diskriminierungen" ausgesetzt. Anders das Bundesinnenministerium: Es lägen "keine Erkenntnisse zu staatlichen Repressionen in Kosovo oder Übergriffen auf Personen aufgrund ihrer Volksgruppenzugehörigkeit vor", so ein Sprecher auf FR-Anfrage. Somit sind internationale Stellen wie der UNHCR bei der ganzen Prozedur anders als früher nicht mehr mit im Spiel.

Autor:  Ursula Rüssmann
Datum:  22 | 4 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Neuste Bildergalerien Politik
Pro-Tibet-Proteste in Washington
Sieben Lastwagen und 15 Autos sind in der Nacht auf der A 57 bei Dormagen ineinandergerast. Foto: Oliver Berg
Toter und 13 Verletzte bei Massenkarambolage auf A 57
Was verdienen die Deutschen? Bei ihrer Regierungschefin lässt sich das klar beantworten. Laut Bundesministergesetz stehen Angela Merkel derzeit monatlich 19.705,68 Euro zu. Hinzu kommen Dienstaufwandsentschädigungen und eine Amtswohnung.
Was die Deutschen verdienen
Menschen formen auf dem Neumarkt in Dresden aus lauter brennenden Kerzen eine Riesenkerze.
Friedliche Anti-Nazi-Demo in Dresden
Ein Zettel mit dem Aufruf "Naziaufmärsche stoppen" von Gegnern einer Neonazi-Demonstration liegt in Dresden auf der Straße
Dresden wehrt sich gegen Neonazis
Sicherheitsleute begutachten ein beschädigtes Auto vor der israelischen Botschaft in Neu Delhi.
Anschläge auf israelische Diplomaten
Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (241 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler 
Bayer Leverkusen Boss Holzhäuser 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!