Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

31. August 2011

Flughäfen: Körperscanner floppen im Test

Beim Praxistest durchgefallen - Die sogenannten Nacktscanner werden vorerst nicht in Deutschland eingesetzt. Foto: dpa

Die Körperscanner werden vorerst nicht an Deutschlands Flughäfen für Passagierkontrollen eingesetzt. Die Technik sei noch zu unausgereift, sagt Bundesinnenminister Friedrich.

Drucken per Mail

An deutschen Flughäfen wird es bis auf Weiteres keine Körperscanner geben. Das teilte das Bundesinnenministerium am Mittwoch in Berlin nach der Auswertung von Daten einer zehnmonatigen Testphase mit zwei Geräten in Hamburg mit. Die Technik sei grundsätzlich geeignet, Sicherheitskontrollen effektiver zu machen. Für den Praxiseinsatz sei die jetzigen Gerätegeneration aber noch nicht ausgereift genug, erklärte das Ministerium. Problematisch seien unnötige Alarmierungen, die zu viele Nachkontrollen verursachten und die Abfertigung verzögerten.

Körperscanner arbeiten ähnlich wie eine Infrarotkamera. Die Geräte nutzen sogenannte Millimeterwellen, die zum natürlichen Spektrum der Wärmestrahlung gehören und auch vom menschlichen Körper abgegeben werden. Werden Passagiere damit bestrahlt, erkennen die Scanner anhand der Reflexion verdächtige Stellen am Körper, an denen Waffen, Drogen oder Sprengstoffe versteckt sein könnten. Sie finden dadurch auf die Haut geklebte Sprengstofffolien oder versteckte Keramikmesser, die die bisher an Flughäfen eingesetzten Metalldetektoren nicht finden. Jedoch registrieren die Geräte auch Kleidungsfalten, Armbanduhren, Schmuck oder andere Dinge und lösen Alarm aus, was häufig Nachkontrollen nötig macht. Scanner, die gefährliche von harmlosen Reflexionen unterscheiden können, gibt es noch nicht.

Video zum Thema
Falscher Alarm: Körperscanner durchgefallen

Für Passagiere ist die Kontrolle mit dem Körperscanner meist umständlich. Jacken und Sakkos müssen ausgezogen, Gürtel und größerer Schmuck abgelegt werden. In der offenen, röhrenförmigen Kabine muss der Passagier die Arme so über den Kopf halten, dass sich die Fingerspitzen möglichst knapp berühren. Nach drei Sekunden des Stillhaltens geht der Fluggast aus der Kabine. Dann berechnet das Gerät, ob verdächtige Gegenstände vorhanden sind und zeigt deren Position gegebenenfalls auf einem gelben Quadrat auf einem Piktogramm an. In dem Fall kommt es zu einer Nachkontrolle durch das Sicherheitspersonal.

Entwicklung wird weitergehen

„Die Bundespolizei wird die Entwicklung auf diesem Gebiet weiter eng begleiten, so dass wir hoffentlich bald Geräte zur Verfügung haben, die sowohl unseren hohen Sicherheitsansprüchen genügen als auch dem Passagieraufkommen Rechnung tragen“, erklärte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Sie seien aber eine gute Methode, um künftig die Sicherheit im zivilen Luftverkehr noch zu steigern und die Kontrollen für die Passagiere zügiger und komfortabler zu gestalten, hieß es in der Mitteilung seines Ministeriums.

Die für die Passagiersicherheit an Flughäfen zuständige Bundespolizei hatte zwischen September 2010 und Juli 2011 zwei Körperscanner am Hamburger Flughafen getestet. Die Geräte wurden zusätzlich zu den herkömmlichen Metalldetektoren im normalen Kontrollbetrieb eingesetzt und von etwa 809.000 Passagieren freiwillig durchlaufen. Die dabei gesammelten Daten wurden anschließend ausgewertet. Körperscanner sind bereits seit längerem unter anderem in den USA im Einsatz. In der EU sind sie laut Innenministerium derzeit nur für Testläufe zugelassen.

Technologie der Zukunft

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hat die Entscheidung begrüßt, Körperscanner zunächst nicht an deutschen Flughäfen einzuführen. Die Scanner lösten in ihrer derzeitigen Form zu häufig Fehlalarme aus, erklärte Präsident Klaus-Peter Siegloch am Mittwoch in Berlin.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte entschieden, dass die Scanner zunächst nicht eingeführt werden, sondern hinter verschlossenen Türen weiterentwickelt werden. Siegloch sagte, Körperscanner könnten die Technologie der Zukunft sein. Aber dazu müssten sie ausgereift sein und fehlerfrei funktionieren, ohne den Passagieren zusätzliche Belastungen oder Zeitverzögerungen zuzumuten. „Passagierkontrollen sind das Nadelöhr eines jeden Flughafens“, sagte der Präsident. (afp)

Jetzt kommentieren

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

FR-Schwerpunkt

Was ist gerecht?

Was ist gerecht?

WIRKLICH? Wie ungleich darf eine Gesellschaft sein – und was ist eigentlich Gerechtigkeit? Der große Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau.

FR-Online: Ergänzende Informationen und ausgewählte Texte zum Thema im Online-Dossier.

iPad-App: Alle großen Stücke des Schwerpunkts - interaktiv in preisgekrönter Aufbereitung. Informationen und Bestellformular.

Zeitung: Sämtliche Analyen und Interviews im Vorteils-Abonnement - keine Folge verpassen und dabei noch anderen helfen. Das ist gerecht. Bestellformular.

MITMACHEN! Wie würden Sie Deutschland gerechter machen? Gibt es eine Ungerechtigkeit, der die Frankfurter Rundschau unbedingt nachgehen sollte? Reden Sie mit - auf unserer interaktiven Webseite.

Videonachrichten Politik
Meinung