kalaydo.de Anzeigen

Föderalismuskommission und Steuern: Verpasste Gelegenheit

Die Föderalismuskommission bot die Chance zur Neuordnung - doch die Länder mauerten. Ihnen wird nun vorgworfen, sie würden den laxen Steuervollzug als Standortvorteil missbrauchen. Von Andreas Kraft

Bei den Verhandlungen versuchte das Bundesfinanzministerium anfangs, eine Bundessteuerverwaltung durchzusetzen. Das Land Hessen und andere Länder waren dagegen.
Bei den Verhandlungen versuchte das Bundesfinanzministerium anfangs, eine Bundessteuerverwaltung durchzusetzen. Das Land Hessen und andere Länder waren dagegen.
Foto: dpa

Im Kampf gegen Steuerparadiese legt sich Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gern medienwirksam mit der Schweiz an. Doch gegen die Steueroasen im eigenen Land kommt er nicht an. Seit Jahren sind bundesweit viele Finanzämter unterbesetzt.

Die Föderalismuskommission hätte für eine Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern die Gelegenheit geboten. Doch nach Einschätzung der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) wurde sie nicht genutzt. "Bei der Personalfrage ist man dort nicht wirklich weitergekommen", so DStG-Bundesvorsitzender Dieter Ondracek zur FR.

Bei den Verhandlungen versuchte das Bundesfinanzministerium anfangs, eine Bundessteuerverwaltung durchzusetzen. Mit effizienteren Strukturen wären laut einem extra erstellten Gutachten jährlich rund elf Milliarden Euro mehr zu erzielen. Derzeit stimmen beispielsweise rund 50 Bund-Länder-Gremien den Steuervollzug miteinander ab. Doch die Länder wollten sich ihre Aufgabe nicht abnehmen lassen.

Nach Einschätzung von Angelika Pendzich-von Winter, die das Sekretariat der Föderalismuskommission leitet, schwang in der Kritik des Bundes immer der Vorwurf mit, die Länder würden den laxen Steuervollzug als Standortvorteil missbrauchen. "So lange das im Raum stand, waren die Fronten sehr verhärtet", sagte sie der FR.

Nur die Union hat nicht mitgezogen

Ganz ähnlich beschreibt der Obmann der SPD-Bundestagsfraktion, Volker Kröning, der FR die Situation. Die Sozialdemokraten hätten mit der Opposition eine Mehrheit für den Vorschlag des Bundesfinanzministers gehabt. Nur die Union habe nicht mitgezogen - aus Rücksicht auf die Länder.

Vor allem Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen seien strikt dagegen gewesen. Als sich auch noch das SPD-geführte Rheinland-Pfalz dagegen gestellt habe, sei die Sache vom Tisch gewesen. Bayern argumentierte, mit einer Bundessteuerverwaltung sei die finanzielle Unabhängigkeit der Länder nicht gewährleistet.

Man einigte sich dann darauf, dass der Bund mit den einzelnen Ländern künftig Vollzugsziele vereinbart. Laut Kröning könnte dies pro Jahr rund vier Milliarden Euro bringen. Doch es dürfte Jahre dauern, bis die Mehreinnahmen fließen. Einen Zeitplan für Verhandlungen gibt es noch nicht.

Autor:  Andreas Kraft
Datum:  4 | 8 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (241 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Die Szene, die zum umstrittenen Strafstoß führte.
Eintracht gegen Düsseldorf 
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Sascha Rösler, Agent Provocateur
Sascha Rösler 
Spezial

Das Land Hessen entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Was steckt dahinter?

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!