Aktuell: Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

06. Januar 2011

FR-Interview mit Gesine Lötzsch: „Wir brauchen keine Denkverbote“

Stramm links: Lötzsch vor einem Afghanistan-Plakat.  Foto: ddp

Linken-Chefin Gesine Lötzsch reagiert im FR-Interview auf die heftige Kritik über ihre Aussagen zum Kommunismus und spricht über das Erbe Rosa Luxemburgs.

Drucken per Mail

Linken-Chefin Gesine Lötzsch reagiert im FR-Interview auf die heftige Kritik über ihre Aussagen zum Kommunismus und spricht über das Erbe Rosa Luxemburgs.

Frau Lötzsch, klären Sie uns auf: Sind Sie Kommunistin?

Ich bin demokratische Sozialistin, keine Kommunistin.

Wieso empfehlen Sie dann öffentlich, sich auf den Weg zum Kommunismus zu machen, wenn Sie da gar nicht hinwollen?

Ich habe einen Debattenbeitrag für die Rosa-Luxemburg-Konferenz geschrieben, in dem ich zu dem Schluss komme, dass dem demokratischen Sozialismus die Zukunft gehört.

Sie schreiben aber auch: „Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung.“

Das ist richtig zitiert. Ich bin von den Veranstaltern der Konferenz gebeten worden, über Wege zum Kommunismus nachzudenken. Und dieser Bitte bin ich nachgekommen. Allerdings ist klar, dass das Ziel der Linken der demokratische Sozialismus bleibt.

Zur Person

Gesine Lötzsch ist seit Mai 2010 gemeinsam mit Klaus Ernst Vorsitzende der Partei Die Linke. Die 49-jährige Sprachwissenschaftlerin aus Berlin ist seit 2002 Abgeordnete des Bundestages.

Die Linkenpolitikerin war von 1984 bis 1990 Mitglied der SED, ab 1990 Mitglied der PDS und begann ihre Karriere in der Berliner Lokal- und Landespolitik.

Heftig kritisiert wird Lötzsch, weil sie in einem Debattenbeitrag für die am Samstag stattfindende Rosa-Luxemburg-Konferenz, den die Tageszeitung Junge Welt veröffentlichte, über „Wege zum Kommunismus“ (03.01.2011) schrieb. Lötzsch will auf der Konferenz mit der Ex-RAF-Terroristin Inge Viett und der DKP-Vorsitzenden Bettina Jürgensen diskutieren. FR

Warum sprechen Sie dann mehrfach vom Kommunismus?

Natürlich ist der Begriff belastet. Denn im Namen des Kommunismus sind viele Verbrechen begangen worden. Wir sollten uns aber keine Denkverbote auferlegen lassen. Meine Partei, die ehemalige PDS, hat sich schon auf dem Gründungsparteitag vor 20 Jahren klar und unmissverständlich davon distanziert. Da gibt es also keine Verwechslungsgefahr.

Doch, die gibt es, wenn Sie erst von Kommunismus reden und dann von demokratischem Sozialismus, als seien es austauschbare Begriffe. Halten Sie den Text für gelungen?

Ich beziehe mich darin auf Rosa Luxemburg, die ganz klar gesagt hat, man kann eine neue Gesellschaft nicht aufbauen, ohne die Freiheit des Individuums zu achten. Sie ist daher für uns eine der wichtigsten Bezugspersonen in der Geschichte der Arbeiterbewegung.

Ja, aber Sie sprechen in dem Debattenbeitrag eben auch vom Kommunismus, ohne zu erläutern, was Sie damit meinen. Kann es sein, dass Sie die Sprengkraft des Begriffes unterschätzt haben?

Sie haben Recht, der Begriff ist einer mit Sprengkraft. Ich habe mal im Internet nachgeschaut: Die Verbindung „Obama“ und „Kommunist“ hat 92.600 Einträge. Jetzt frage ich mich, ist Herr Obama ein Kommunist, weil er die Krankenversicherung einführen will?

1 von 2
Nächste Seite »

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

TTIP

Freihandel zum Wohl der Menschen geht anders

Von  |
TTIP begünstigt das Kapital und nicht die Menschen.

Bei dem Streit über die Abkommen mit den USA und Kanada geht es um eine entscheidende Frage: Hat sich der Grundsatz, dass das Kapital durch Regeln zu bändigen sei, bald erledigt? Der Leitartikel.  Mehr...

Bundeswehrsoldaten in Incirlik

Erdogan schlägt zurück

Der türkischen Präsidenten Tayyip Recep Erdogan deutschen Politkern weiter einen Besuch der Bundeswehrsoldaten in Incirlik.

Berlin und Ankara mühen sich, den Streit über den Besuch von Abgeordneten bei Bundeswehrsoldaten in Incirlik beizulegen. Das ist nicht einfach, sollte aber möglich sein. Der Leitartikel. Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung