Den Ernstfall probt die FDP an diesem Wochenende in Köln: Sie muss bei ihrem Jubelparteitag in den Messehallen auf Guido Westerwelle verzichten - zeitweise. Der Vorsitzende nimmt in seiner Funktion als Vizekanzler am Samstag in Ingolstadt an der Trauerfeier für vier Bundeswehrsoldaten teil. Seine Rede in Köln hält er erst am Sonntag.
Das Parteihochamt könnte also für jene eine Gelegenheit sein, die endlich aus dem Schatten des schier allmächtigen Vorsitzenden heraustreten wollen - für Freidemokraten, die finden, dass die FDP "eben nicht nur eine Partei der penetranten Steuersenkung" sein sollte, wie es einer ihrer Strategen formuliert. Nachdem die Steuerreform ("einfacher, niedriger, gerechter") vor allem "niedriger" ausfällt, halten nicht wenige die Zeit für gekommen, dass die Partei endlich ihr "Bürgerrechtsprofil" stärker zeigt. Wer aber könnte die Revolte gegen den Vorsitzenden anführen? Ein Charaktertest der FR.
Birgit Homburger, 45 Jahre alt, ist als Vorsitzende der größten Fraktion, die die Freien Demokraten jemals in den Bundestag entsandt haben, eine einflussreiche Figur in der Partei. Die kleine Frau mit dem großen Selbstbewusstsein und dem schwäbischen Dialekt gilt allerdings als "unbedingt loyal" zum Vorsitzenden Guido Westerwelle. Trotz ihrer langjährigen Erfahrung als Parlamentarierin - sie sitzt seit 1990 im Bundestag - tut sich die frühere Verteidigungsexpertin der Partei noch schwer, ihre neue Funktion wirksam auszufüllen. Einen eigenen, von Westerwelle unabhängigen Machtanspruch hat die bestens vernetzte Fraktionschefin bislang noch nicht formuliert.
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