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20. Dezember 2013

Frankfurter Auschwitz-Prozess: Weder Dämonen noch Abschaum

 Von 
Blick auf die Angeklagten und ihre Anwälte im Frankfurter Auschwitz-Prozess: Hinten links der Angeklagte Viktor Capesius, hinten rechts Wilhelm Boger.  Foto: dpa

Vor 50 Jahren begann am 20. Dezember in Frankfurt der erste Prozess gegen die Mörder und Schinder des Konzentrationslagers Auschwitz. Das Verfahren wurde zum Signal für die deutsche Aufarbeitung der NS-Zeit.

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Frankfurt –  

Am 20. Dezember 1963 begann in Frankfurt am Main der erste Auschwitzprozess. Es war der erste von dreien, die erst am 14. Juni 1968 endeten. Die ersten Urteile wurden am 19. Und am 20. August 1965 gefällt.

Der Auschwitz-Prozess hat die bundesrepublikanische Wahrnehmung des Holocaust wesentlich verändert. Nicht weil er der erste Prozess gewesen wäre, der gegen sogenannte Naziverbrechen geführt worden wäre, sondern weil er wesentlich dazu beigetragen hat, deutlich zu machen, wie verkehrt es ist, von Naziverbrechen zu sprechen.

Der Auschwitz-Prozess war nicht der spektakulärste. Das war ohne Zweifel der gegen Adolf Eichmann in Jerusalem (11. April bis 16. Dezember 1961). Jeden Tag nach der Tagesschau wurde über ihn berichtet. Die Zusammenschnitte aus dem Prozess wurden in über 80 Länder der Erde verkauft. In Spitzenzeiten wurden sie von 80 Prozent derer, die überhaupt einen Fernseher hatten, gesehen.

Adolf Eichmann war der Cheforganisator der Judenvernichtung. Als Hannah Arendt Eichmann jede Dämonie absprach und den Begriff von der Banalität des Bösen prägte, entfachte sie damit einen gewaltigen Aufruhr. Gegen massiven Widerstand – unter anderen auch gegen den des den Auschwitzprozess später führenden Richters – setzte der Hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer durch, dass 22 Verfahren zu einem großen Prozess zusammengeführt wurden. So wurde aus Strafsachen gegen einzelne Angeklagte der Auschwitzprozess. Das ermöglichte nicht nur, den Vernichtungsapparat im Ganzen zu sehen und zu zeigen. Es machte auch erst aus Auschwitz den zentralen Begriff, der er heute – jedenfalls in Deutschland – ist. Dass wir weniger von Holocaust oder der Shoah sprechen, sondern von Auschwitz – das liegt an dem Frankfurter Prozess und dem, was er bewirkte. Zunächst schien es nicht so viel.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Viel Kritik am Auschwitz-Prozess

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