Paris. Fünf Jahre nach dem heftig umstrittenen Kopftuchverbot für muslimische Schülerinnen erwägt Frankreich, das Tragen von Gesichtsschleiern in der Öffentlichkeit grundsätzlich zu untersagen.
Dabei geht es um Burkas, die die Trägerin von Kopf bis Fuß verhüllen und sogar die Augen mit einem Gitter verdecken, und um sogenannte Nikabs, die die Augen freilassen. "Sollte es sich zeigen, dass das Tragen der Burkas unfreiwillig ist, dann wird das Parlament natürlich die Konsequenzen ziehen", sagte Regierungssprecher Luc Chatel am Freitag im Fernsehen.
Unter dem Eindruck einer zunehmenden Verbreitung der Burkas und Nikabs haben rund 60 Abgeordnete vorgeschlagen, das Phänomen und die Motivation ihrer Trägerinnen untersuchen zu lassen. Die Regierung ist in der Frage gespalten. Auch die Muslimorganisationen sind sich uneins.
Die für die Einwandererviertel zuständige Staatssekretärin Fadela Amara forderte ein Totalverbot der "Särge der Freiheit", wie sie die Burkas nannte. Ihre Trägerinnen würden unterdrückt von "männlicher Vorherrschaft" und "Indoktrination". Amara wurde in Frankreich als Tochter eines algerischen Bauarbeiters geboren. Der in Marrakesch in Marokko geborene Minister für Einwanderung und Nationale Identität, Eric Besson, hält es dagegen "nicht für opportun, die Polemik über die religiösen Symbole neu zu entfachen". Das Gesetz reiche; man solle das "gefundene Gleichgewicht nicht gefährden".
Islamforscher weisen darauf hin, dass Musliminnen die Ganzkörperkleidung in der Regel freiwillig aus ihrem tiefen Glauben heraus tragen. Unter ihnen seien viele vom Christentum konvertierte Französinnen. Manche Mädchen in Einwanderervierteln wählten die Schleier auch, weil sie sich dann stärker geachtet fühlten, sagte der Professor für arabische Zivilisation, Mohamed-Cherif Feriani, der Zeitung "Libération". (dpa)
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