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Frauen auf dem Arbeitsmarkt: Prekär statt Vollzeit

Von wegen Gleichberechtigung: Immer weniger Frauen in Deutschland finden eine Vollzeitstelle. Der so genannte flexible Arbeitsmarkt treibt Frauen in schlecht bezahlte Jobs und Hartz IV. Von Franziska Schubert

Frauen in Deutschland finden immer seltener eine Vollzeitstelle.
Frauen in Deutschland finden immer seltener eine Vollzeitstelle.
Foto: Bilderberg

Obwohl immer weniger Frauen in Deutschland eine Vollzeitstelle finden, bewertet die Bundesregierung die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse positiv: "Die Partizipation von Frauen wurde vergrößert", heißt es in der Antwort zu einer Anfrage, die die Linken zum Frauentag gestellt hatten. Insgesamt habe die Flexibilisierung die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes verbessert, bilanziert die Regierung.

"Die Kehrseite ist aber, dass der Zuwachs fast ausschließlich auf unsichere und schlecht bezahlte Jobs zurückgeht", kritisiert die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann. Die von der Regierung veröffentlichen Zahlen, die der FR vorliegen, zeigen: Im vergangenen Jahr hatten noch rund 8,2 Millionen Frauen einen Vollzeitjob - 640.000 weniger als noch vor zehn Jahren.

Im gleichen Zeitraum stieg im Gegenzug die Zahl der Frauen, die eine Teilzeitarbeit aufnahmen, um 1,1 Millionen. Zugleich verdoppelte sich auch die Zahl der Leiharbeiterinnen. Zwischen 1998 und 2008 legte außerdem die Zahl von Frauen mit befristeten Arbeitsverträgen um knapp 40 Prozent zu und kletterte auf rund 2,4 Millionen. Aber auch bei den Minijobs ist der Großteil der Beschäftigten weiblich, seit 2003 steigt der Frauenanteil beständig. Bis zum vergangenen Jahr wuchs die Zahl geringfügig entlohnter Frauen um insgesamt 930.000 auf rund 4,1 Millionen an. Insgesamt sei das ein "dramatischer Anstieg prekärer Beschäftigung bei Frauen", kritisiert Zimmermann.

Besonders in Niedriglohnbranchen ist der Anteil von Frauen überproportional hoch. Im Textil- und Gastgewerbe etwa - dort beträgt der Frauenanteil knapp 60 Prozent - lag der durchschnittliche Stundenlohn 2008 gerade mal zwischen zehn und 13 Euro. In den von Männern dominierten Branchen wie dem Baugewerbe oder der Mineralölverarbeitung verdienten Arbeitnehmer im Schnitt zwischen 15 und knapp 30 Euro pro Stunde.

Zunehmend mehr Frauen stocken zudem ihr Einkommen mit Hartz IV auf, weil sie zu wenig verdienen. Seit 2005 stieg die Zahl der weiblichen Aufstocker um knapp die Hälfte auf rund 743000. 54 Prozent aller Aufstocker sind demnach weiblich - obwohl im bundesweiten Schnitt deutlich mehr Männer als Frauen erwerbstätig sind.

Die Linke fordert Verpflichtungen für die Wirtschaft, um die Arbeitssituation von Frauen zu verbessern. Der schnellste und einfachste Schritt jedoch sei die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von zehn Euro, betont Arbeitsmarktexpertin Zimmermann. Davon würden alle Frauen profitieren, die derzeit noch zu geringeren Stundensätzen arbeiteten.

Autor:  Franziska Schubert
Datum:  8 | 3 | 2010
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