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24. Januar 2014

Frauen in der Bundeswehr: Soldaten halten wenig von Soldatinnen

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Bundeswehrpatrouille in der Region Kundus.  Foto: dpa

Eine neue Studie stellt der Bundeswehr miserable Noten als Arbeitgeber aus. Im Mittelpunkt stehen die Frauen: Viele Männer sehen sich benachteiligt durch die Integration von Soldatinnen - und glauben, dass die Truppe sich zum Schlechteren verändert hat.

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Eine neue Studie stellt der Bundeswehr miserable Noten als Arbeitgeber aus. Im Mittelpunkt stehen die Frauen: Viele Männer sehen sich benachteiligt durch die Integration von Soldatinnen - und glauben, dass die Truppe sich zum Schlechteren verändert hat.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will die Bundeswehr „zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland“ machen. Doch in der Truppe spricht man von „nachlassender Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber“. So steht es in einer groß angelegten Studie des „Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften“. Zentraler Grund für die Unzufriedenheit der immer noch zu 90 Prozent männlichen Streitkräfte ist offenbar die wachsende Bedeutung von Frauen fürs Militär.

Die Zufriedenheit mit ihrer Berufswahl geht aber bei Soldatinnen und Soldaten im Gleichschritt zurück. Nur 57 Prozent würden wieder zum Bund gehen, wenn sie noch mal die Wahl hätten – zehn Prozent weniger als noch 2005. Fast jeder Vierte würde die Bundeswehr am liebsten vor Ablauf seiner Dienstzeit verlassen. 2005 waren das nur 11,3 Prozent bei den Frauen und nur 15,3 Prozent bei den Männern.

Männer fühlen sich benachteiligt

Im Mittelpunkt der Untersuchung mit dem Titel „Truppenbild ohne Dame“ (im Internet unter mgfa-potsdam.de) stand jedoch die Stellung der Frauen in der Bundeswehr. Die Fragebogen dafür füllten 2011 rund 3000 Soldatinnen und 1800 Soldaten aus. Forschungschef Gerhard Kümmel konstatierte bei der Vorstellung der Ergebnisse am Freitag eine „gewisse Eintrübung des Integrationsklimas“ vor allem in der männlichen Soldatenmehrheit.

Die Männer fühlen sich zunehmend benachteiligt. Frauen hätten bessere Karrierechancen meinte 2005 gut die Hälfte der Männer, 2011 waren es fast 62 Prozent. Anders bei den Frauen: So sahen 2005 noch fast 32 Prozent bessere Chancen für sich. 2011 waren es kaum 25 Prozent. Geringfügig von 6,5 auf 7,7 gestiegen ist der Anteil der Soldatinnen, die meinen, Frauen würden von den Vorgesetzten besser behandelt. Aber unter den Soldaten hat sich diese Auffassung sprunghaft vergrößert. Ein Anstieg von 14,6 auf 32,6 Prozent.

Immer mehr Männer finden, dass sich die Bundeswehr durch die Integration von Frauen zum Schlechteren verändert hat – 56,6 Prozent (2005: 51,6). Die, die einen Verlust an Kampfkraft sehen, stiegen von 32,7 auf 35,8 Prozent. Und 34 Prozent glauben, dass Frauen „dem harten Leben im Felde“ nicht gewachsen seien. Mehr als 22 Prozent halten Frauen als Vorgesetzte für ungeeignet (2005: 15 Prozent).

Sexuelle Belästigung

Gefragt wurde auch nach sexueller Belästigung – wie zu erwarten in aller Regel durch Männer. 50 Prozent der Soldatinnen mussten anzügliche Bemerkungen hinnehmen. 25 Prozent bekamen pornografische Darstellungen gezeigt, ebenso viele wurden gegen ihren Willen sexuell berührt. Vier Prozent gaben an, vergewaltigt worden zu sein. Nach Ansicht der Forscher steht die Bundeswehr damit erheblich besser da als die US-Armee und innerhalb „oder sogar unter den Werten für zivile Bereiche“ in Deutschland.

Fast 40 Prozent der Soldatinnen meinen, es bedürfe zu ihrer Integration noch „großer Anstrengungen“ (2005 wurde ihnen diese Frage nicht gestellt.) Aber der Anteil der männlichen Soldaten, die dieser Meinung sind, hat sich von 21,5 auf 47,9 Prozent weit mehr als verdoppelt.

Ursula von der Leyen versucht, die Studie positiv zu nehmen. Die Daten von 2011 zeigten, dass die Bundeswehr mit ihrer „Attraktivitätsoffensive“ auf dem richtigen Weg sei, sagte die Ministerin in einer ersten Stellungnahme. Eine praktische Auswertung soll noch folgen. Intern war die Untersuchung umstritten und musste nicht nur im Teil zu sexuellen Belästigungen überarbeitet werden. Aber von der Leyen hat auf die Veröffentlichung gedrängt.

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