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30. Juli 2014

Frauen und Männer: Das harte Brot Emanzipation

 Von 
Mann und Frau sind längst nicht überall gleichauf.  Foto: dpa

Ob Chefsessel, Gehalt oder Rente: Noch immer sind Frauen Männern nicht gleichgestellt. Obwohl die Hälfte der Hochschulabsolventen weiblich ist, verdienen Frauen im Schnitt noch immer rund ein Fünftel weniger als Männer.

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Männer sind im Schnitt häufiger übergewichtig, haben eine geringere Lebenserwartung als Frauen und gehen in jungen Jahren überdurchschnittlich häufig auf eine Förderschule. Das war es aber schon an schlechten Nachrichten für die deutsche Männerwelt, die der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, am Mittwoch in Berlin aus dem Datenfundus seines Hauses zum Thema Stand der Gleichstellung in Deutschland präsentieren konnte.

Auf der Habenseite ist das Bild für männliche Bundesbürger deutlich freundlicher: Noch immer haben in den Chefetagen deutscher Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung vor allem Männer das Sagen: 2012 waren lediglich 29 Prozent der Führungskräfte weiblich, nur unwesentlich mehr als vor 20 Jahren, damals waren es 26 Prozent. Das Fazit des obersten Statistikers fiel entsprechend nüchtern aus: „Die Gleichstellung von Mann und Frau schreitet nur mühsam voran.“ Dabei haben Mädchen Jungen zumindest in der Schulbildung schon längst zum schwächeren Geschlecht deklariert: Sie machen häufiger Abitur, während Jungen mit einem Anteil von 64 Prozent die Förderschulen dominieren.

Dadurch ändert sich aber nur wenig in Sachen Gleichstellung, Das wird nicht nur vorm Abitur und in den Chefetagen deutlich. Während an deutschen Hochschulen etwa die Hälfte der Studienanfänger wie der Absolventen weiblich sind, nimmt der Frauenanteil mit steigender Qualifizierung ab. So gingen noch 45 Prozent aller 2012 vergebenen Doktortitel an Frauen. Einen Schritt weiter oben auf der akademischen Karriereleiter, der Habilitation, lag der Anteil der Frauen nur bei 27 Prozent, und unter den Professoren waren es sogar nur 20 Prozent.

In absoluten Zahlen wird die akademische Diskrepanz noch deutlicher: Gerade einmal 9000 Professorinnen standen vor zwei Jahren 43 900 Professoren gegenüber. Das sind allerdings immerhin deutlich mehr als noch 2002. Damals waren gerade mal zwölf Prozent der Professoren weiblich. Zu verdanken sei dies verschiedenen Programmen, die die Karrierechancen von Frauen an den Hochschulen verbesserten, befinden die Forscher.

Bei der Berufswahl orientieren sich Frauen immer noch vor allem an den tradierten Geschlechterklischees. Büro- und Dienstleistungsberufe sind fest in weiblicher Hand, relativ ausgeglichen ist das Verhältnis in akademischen Berufen wie bei Ärzten, Juristen, Lehrern und Sozialwissenschaftlern; dort lag der Frauenanteil bei 44 Prozent. Nur selten entscheiden sich Frauen dagegen für einen Handwerksberuf, die Industrie oder die Landwirtschaft. Auch die Kindererziehung ist immer noch Frauensache. Elterngeld bezogen 95 Prozent der Frauen, aber nur 29 Prozent der Väter. Bei der Elternzeit gibt es sogar einen Rückschritt: Väter von 2012 geborenen Kindern gingen durchschnittlich nur noch für 3,2 Monate in Elternzeit. Zwei Jahre zuvor waren es immerhin noch 3,5 Monate.

Ein weiteres Klischee hat auch Bestand: Berufswahl, Kinderauszeit und Teilzeit haben für die Frauen Folgen, was Verdienst und Karriereverläufe angeht. Besonders drastisch ist das beim Gehalt zu sehen. Seit fast 20 Jahren ist der durchschnittliche Bruttostundenverdienst eines Mannes um die 20 Prozent höher als der einer Frau, 2013 betrug er nach den Angaben des Statistischen Bundesamts 22 Prozent. Dass diese Lücke aber gar nicht so groß sein muss, zeigen EU-Staaten wie Frankreich oder Schweden, wo der Unterschied nur 15 beziehungsweise 16 Prozent beträgt. Das heißt allerdings nicht, dass Männer und Frauen für die gleiche Arbeit unterschiedlich entlohnt werden. Zwei Drittel des global berüchtigten „Gender Pay Gap“, der Verdienstlücke, lassen sich auf strukturelle Unterschiede wie Bildung, Berufserfahrung und Beschäftigungsumfang zurückführen. Oder anders gesagt: Männer sind häufiger Chef und verdienen entsprechend besser. Sie entscheiden sich außerdem für Berufe, die besser bezahlt werden.

Bereinigt man die Gehaltslücke um diese Faktoren, bleibt immer noch ein Lohngefälle von sieben Prozent. Heißt das, eine Frau verdient im Schnitt sieben Prozent weniger als ihr männlicher Kollege, der die exakt selbe Tätigkeit ausübt? Die Statistiker sind sich da nicht so sicher. Denn in den statistischen Modellen, wenden sie ein, ließen sich nicht sämtliche theoretisch mögliche Faktoren berücksichtigen, die einen Einfluss auf die Höhe der Bezahlung haben. So weiß man aus Studien, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen weniger selbstbewusst auftreten als Männer, entsprechend niedriger ist das Ergebnis. Auch lange Kinderauszeiten schlagen sich negativ auf Karrierechancen und damit auch auf den Verdienst nieder.

Diese Diskrepanz ist umso frappanter, als die Erwerbstätigkeit von Frauen deutlich angestiegen ist. Während 1992 rund 56 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren arbeiteten, waren es 20 Jahre später 68 Prozent. 2012 waren 46 Prozent aller Erwerbstätigen Frauen. Die Zunahme resultiert laut Egeler aber überwiegend aus dem Anstieg der Teilzeitbeschäftigung. (mit afp)

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