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Politik
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02. Februar 2016

Frauenhäuser: Frauen finden häufig keinen Schutz

 Von Stefanie Dodt
In allen Großstädten ist die Lage katastrophal, mahnen Expertinnen.  Foto: Getty Images

Frauenhäuser sind häufig überfüllt. Die Lage sei in vielen Ballungsgebieten katastrophal. Der Mangel sei bekannt, habe in der Politik aber offenbar wenig Priorität. Schutzsuchende müssen häufig abgewiesen werden. Vielen Frauen gehen dann dorthin zurück, wo sie misshandelt werden.

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Sie steht auf dem Spielplatz, panisch. Gestern Abend ist es passiert. Und jetzt? Gerade hat sie ihre Kinder von der Kita abgeholt. Zur Polizei zu gehen, ist keine Option. Dann würde die Familie sie ablehnen. Sie will weg, weit weg, sich verstecken vor ihrem Mann und ihre Kinder in Sicherheit bringen. Während die Kinder auf dem Spielplatz herumturnen und nichts von den Gedanken ihrer Mutter ahnen, wählt sie die Nummer der Notruf-Hotline der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG) und fragt nach einem Platz in einem Frauenhaus. Die Hotline hilft bei häuslicher Gewalt, allen Frauen. Heißt es. Ute Helmstädt nimmt den Anruf entgegen, versucht zu beruhigen, und muss erklären, dass der Zeitpunkt des Hilferufs ungünstig ist. Alle Plätze in Berliner Frauenhäusern sind belegt. Die Frau bricht das Gespräch ab.

Das ist der Moment, den Ute Helmstädt so hasst. Wenn sie spürt, dass die Frau den Mut wieder verliert und sie nichts dagegen tun kann. Wenn sie weiß, dass die Frau zurück in die Wohnung gehen wird. Und wenn sie nicht weiß, ob der Frau dort wieder etwas zustoßen wird. Hilfe wird damit zur Glückssache, zu einer Frage des passenden Zeitpunkts. Helmstädt ist Beraterin im „Frauenraum“, einer von fünf Berliner Beratungsstellen, die Anrufe auf der BIG-Hotline erreichen. Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie mit dem Auftrag, bei Gewalt zu helfen. Sie spricht engagiert und wirkt gleichzeitig erschöpft. Denn in den letzten Jahren ist sie immer öfter selbst hilflos. Die ungünstigen Zeitpunkte sind nicht mehr nur Ausnahmen. Wenn Ute Helmstädt nichts tun kann, folgt noch ein letztes Ritual. Dann greift sie zu den Vorlagen der „Vollbelegungs-Faxe“ und füllt eine davon aus.

Ein Vollbelegungs-Fax, das ist eine Seite für jeden Anruf, mit Datum, Uhrzeit, einem Vermerk über den Verbleib der Frau. Die Protokolle werden immer abends an den Berliner Senat gefaxt, fast jeden Abend. 827 Vollbelegungs-Faxe stapelten sich allein im Jahr 2014 in der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. „Wir können derzeit einer von Gewalt betroffenen Frau aus dem Bundesland ____ und ihren _ Kindern keine sichere und adäquate Unterbringungsmöglichkeit in einem Berliner Frauenhaus anbieten“, lauten stets die ersten Sätze auf dem Vordruck.

Es sind Faxe, die irgendwo in der Verwaltung versinken. Denn das Mantra dort lautet: „Die Grundversorgung gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder in Berlin kann als gewährleistet angesehen werden.“ Die Staatssekretärin Barbara Loth weiß bei einer ersten Anfrage der Frankfurter Rundschau nicht von der Existenz solcher Faxe. So sagt sie am langen Besprechungstisch in ihrem Büro auch nur kurz: „Ich bin von unserem System absolut überzeugt.“

Ute Helmstädt schüttelt den Kopf. Eigentlich hätte alles besser werden können in den letzten Jahren, sagt sie, denn mehr Frauen trauten sich, die Hilfe anzunehmen, und mehr Frauen kämen nach Berlin, um in der Anonymität der Großstadt Schutz zu suchen. Es waren rund 1800 Frauen und Kinder, die 2014 in einem der Berliner Frauenhäuser aufgenommen wurden. Doch die Hilfssysteme sind damit überfordert. „Der Anspruch war mal: Frauen, meldet euch, ihr könnt jederzeit zu uns kommen. Das gibt es nicht mehr“, so Helmstädt. Da sich zunehmend nun auch geflüchtete Frauen melden, rechnet sie damit, dass der Druck weiter steigt.

Wenn es keinen Platz in Berlin gibt, bleiben noch die Frauenhäuser in Brandenburg – oder „Notplätze“. Übernachtungsstellen für Obdachlose. Dort gibt es ein warmes Essen, ein Bett und eine Decke, bis zum nächsten Morgen, dann muss der Notplatz geräumt werde. 2014 war das für insgesamt 53 Frauen und 27 Kinder, die vor der Gewalt geflohen waren, eine Notlösung.

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