Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

06. März 2012

Frauenquote: EU-Kommissarin will die Quote

 Von Karl Doemens
 Foto: AFP

Chefetagen sind immer noch vornehmlich Männersache. EU-Justizkommissarin Viviane Reding ist „zu allem bereit“, um das zu ändern. Dieser Vorstoß heizt die Debatte über eine Frauenquote neu an.

Drucken per Mail

Bislang ist es nur eine Drohung. „Ich bin zu allem bereit“, sagt EU-Justizkommissarin Viviane Reding. Bereits im Sommer, deutet die Luxemburgerin an, könne sie einen Vorschlag für eine europaweit verpflichtende Frauenquote in den Führungsgremien der Wirtschaft vorlegen. Konkreter wurde Reding gestern nicht. Nur dass sie die bisherigen Fortschritte durch Selbstverpflichtungen der Konzerne „völlig ungenügend, ja lächerlich“ finde, machte sie in einem Gespräch mit der Zeitung Die Welt deutlich.

In Deutschland facht der Vorstoß die hitzige Debatte über eine Frauenquote neu an. „Die von EU-Kommissarin Reding ins Spiel gebrachte gesetzliche Quote für Frauen in Führungspositionen ignoriert die Realität in den einzelnen Branchen und Betrieben“, protestiert die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Differenzierte unternehmensspezifische Lösungen seien „der einzig richtige Weg“.

Schröder: Bewegung von unten statt Quote

Europa im Überblick

In Norwegen hat die Regierung im Dezember 2003 eine Frauenquote von mindestens 40 Prozent für Sitze in allen Verwaltungsräten der 600 börsennotierten Unternehmen beschlossen. Der Anteil der Frauen betrug bis dahin sechs Prozent. Heute sind es 40 Prozent.
Dänemark hat im Jahr 2000 ein Gesetz verabschiedet, das Firmen mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung zu einer ausgeglicheneren Geschlechterrepräsentanz verpflichtet.
In Spanien wurde 2007 ein Gesetz beschlossen, das Firmen mit mehr als 250 Angestellten verpflichtet, 40 Prozent Frauen im Verwaltungsrat zu haben. Die Übergangsfrist dauert noch bis 2015. Jährlich müssen Maßnahmenpläne eingereicht werden.
In den Niederlanden wurde eine Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte und Vorstände aller Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern eingeführt, die bis 2016 erreicht werden soll.

Das sieht Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ganz ähnlich: „Wir brauchen eine Bewegung von unten jetzt statt starre Quoten von oben herab irgendwann einmal“, argumentiert sie. Während im quotenkritischen Familienministerium darauf hingewiesen wird, Reding habe bereits vor einem Jahr eine gesetzliche Frauenquote auf EU-Ebene angekündigt und sage insofern nichts Neues, wertet die Quoten-Befürworterin Ursula von der Leyen (CDU) die Ankündigung als Stärkung ihrer Position: Es sei konsequent von Reding „jetzt das Tempo innerhalb Europas zu erhöhen und dabei die guten Erfahrungen der Länder mit Frauenquoten in den Blick zu nehmen“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Allen Appellen zum Trotz sei der Anteil weiblicher Führungskräfte europaweit nur minimal auf 13,7 Prozent gestiegen. Deutschland liegt mit 15,6 Prozent zwar leicht über dem Durchschnitt, bleibt jedoch weit abgeschlagen hinter Finnland (27,1 Prozent) oder Frankreich (22,3 Prozent), wo vor einem Jahr eine Quote eingeführt wurde. „Ich bin kein Fan von Quoten. Aber ich mag die Ergebnisse, die Quoten bringen“, sagte Reding.

Auswirkungen einer Frauenquote unklar

Unklar ist, welche Auswirkungen es für deutsche Unternehmen hätte, wenn Reding tatsächlich europaweit eine Quote von 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020 festschreiben würde. Im Familienministerium ist man der Auffassung, eine solche Brüsseler Vorgabe sei nicht bindend. Auf nationaler Ebene habe man sich für einen anderen Weg entschieden. Bei einem Treffen mit den Personalvorständen der 30 größten börsennotierten Unternehmen hatte Ministerin Schröder im Oktober auf die Selbstverpflichtung der Konzerne gesetzt. Damit ist ihre parteiinterne Gegenspielerin von der Leyen zwar unzufrieden. Doch auch FDP und CSU lehnen eine gesetzliche Quote ab.

Insofern dürfte auch ein Vorstoß der SPD wenig Aussicht auf eine Mehrheit im Bundestag haben. Die Sozialdemokraten wollen am heutigen Dienstag einen eigenen Gesetzesentwurf zur Frauenquote vorstellen. Demnach müsste der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten bis 2015 auf 40 Prozent steigen und in Vorständen stufenweise ebenfalls auf 40 Prozent angehoben werden.

Wirtschafts-Staatssekretär erstmals weiblich

Zumindest in der Bundesregierung sollen Frauen nun aber sichtbarer werden: Das Wirtschaftsministerium besetzt erstmals den Posten des Staatssekretärs mit einer weiblichen Bewerberin. Die Diplomatin Anne Ruth Herkes wechselt vom Botschafterposten im Emirat Katar nach Berlin. Dort ist sie künftig als Staatssekretärin zuständig für Außenwirtschaft.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Atomwaffen

Worte der Hoffnung

Von  |
Obama: „Aber wir müssen auch den Mut haben, der Logik der Angst zu entkommen und eine Welt anstreben ohne Atomwaffen.“

Barack Obama spricht erneut von einer Welt ohne Atomwaffen. Er weckt damit Erwartungen, die er selbst nicht erfüllen kann. Doch sein Traum könnte ein Ziel für die Menschheit sein. Mehr...

Israel

Netanjahu auf Kollisionskurs

Benjamin Netanjahu hat sich mit latent antidemokratischen Kräften verbündet, die er kaum kontrollieren kann.

Israels Regierungschef hat sich mit latent antidemokratischen Kräften verbündet, die er kaum kontrollieren kann. Schlechte Aussichten für einen Siedlungsstopp.  Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung