Am 30. August 1988, vor 20 Jahren also, hat sich die SPD eine Frauenquote verordnet. Dass eine Kanzlerin 20 Jahre später regiert, macht aber noch keine gleichberechtigte Gesellschaft. Das liegt nicht nur daran, dass vielerorts die Zugänge zu Spitzenpositionen verstopft und Frauen nicht entschlossen genug sind, sie sich zu erkämpfen. Es liegt auch daran, dass Frauen sich verändert haben, neue Mannsbilder sich aber nur langsam entwickeln. Die einseitige Konzentration auf Frauenquoten muss aufhören. Männer müssen die Quote für sich entdecken. Die FR hilft.
Teilzeit-Mann
Jede dritte Frau arbeitet Teilzeit, aber nur jeder zwanzigste Mann gönnt sich diesen Luxus. Wer Teilzeit schafft, hat mehr Zeit für andere Lebensbereiche. Wenn Frauen und Männer sich in ihren Stundenzahlen annähern, lassen sich die finanziellen Nachteile in der Summe ausgleichen. Zumal, wer mehr Zeit hat, oft auch Geld spart, weil er weniger Dienstleistungen beansprucht und sich selbst hilft. Ein pralles Leben mit vielen verschiedenen Aspekten neben einer erfüllenden Arbeit lässt sich mit einem oft noch durch Überstunden gekennzeichneten Vollzeitjob kaum machen.
Vollzeit-Vater
Männer sollten als Väter mehr Rechte haben. Offenbar ist es ihnen sonst nicht möglich, genug Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen. Beispiel: Elterngeld. Im Vorjahr beantragten 65 Prozent jener Väter, die Elterngeld beanspruchten, eine Auszeit von zwei Monaten, nur jeder achte wollte zwölf Monate aussetzen. Dagegen wollte bloß ein Prozent der Mütter nur zwei Monate im Job pausieren, 87 Prozent beantragten Elterngeld für ein Jahr. Die Zahl der Männer, die wenigstens kurz beim Kind bleiben, ist dank der im Gesetz angelegten Vätermonate schon deutlich gestiegen. Aber da ist mehr drin: Nächstens sollten Mutter und Vater je sieben Monate Anspruch auf Elterngeld haben. Dann müssten Männer keine Angst haben, vom Arbeitgeber diskriminiert zu werden, wenn sie Vaterfreuden länger genießen.
Wickler
Männertoiletten sind extrem rückständige Örtchen. Meist handelt es sich um wickeltischfreie Zonen, ebenso vergeblich sucht der männliche Behinderte dort Erleichterung. Wer wickeln oder als Behinderter eine Toilette erreichen will, muss in gefühlt 98 Prozent aller Fälle durch die Tür mit dem Stöckelschuh-Bild. Unser kostensparender Vorschlag zur Gleichstellung: Für die nächsten fünfzig Jahre werden die Türschilder getauscht.
Ausbilder
Erzieher und Grundschullehrer braucht das Land. Wie kann es sein, dass das angeblich so machtbewusste Geschlecht auch die professionelle Erziehung Frauen überlässt? 3,3 Prozent des Kita-Personals ist männlich und in den Klassen eins bis vier sind gerade mal 9,6 Prozent Lehrer unterwegs. Jungs fehlen Mannsbilder zur Orientierung. In Jahresschritten muss der Anteil von Erziehern um mindestens zehn Prozent wachsen. Damit der Anreiz stimmt, die Drohung dazu: Für jedes verlorene Prozent werden Professorinnen an Universitäten eingestellt. Im Moment ist nur jeder sechste Hochschullehrer eine In.
Lobbyist
Frauen beackern allein das Feld der Geschlechtergerechtigkeit. Wo nicht institutionalisiert, da informell. Journalisten etwa, die den neuen Mann herbeischreiben, sind so selten wie Frauen in den Vorständen von Dax-Unternehmen. Viel zu lange haben die Schreiber den Kolleginnen das Gedöns überlassen. Erst seit sie merken, dass Geschlecht auch eine geldwerte Kategorie ist, schreiben Redakteure ab und an darüber. Was es sonst noch sein sollte, darüber müssten sich Männerlobbyisten dringend einen Kopf machen. Die Frauen definieren sich weiter um - und automatisch die Männer mit, wenn die nicht mitmachen.
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