Guinea atmet auf. Die ersten freien Wahlen seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1958 verliefen überraschend friedlich, obwohl erst vor neun Monaten die Militärjunta mehr als 150 Gegner des Regimes nach Protesten hatte niedermetzeln lassen. Guinea stand damals kurz vor einem Bürgerkrieg. Militärherrscher Moussa Dadis Camara wurde bei einem Anschlag verletzt und floh aus dem Land. Erst nachdem der von Europa und USA gestützte Sekouba Konate als Interimspräsident Ende 2009 an die Macht kam und versprach, eine Zivilregierung zu etablieren, kehrte Ruhe ein.
"Es gab natürlich einige sehr ernstzunehmende technische Schwierigkeiten", sagte der Leiter der EU-Wahlbeobachter, Alexander Graf Lambsdorff. Vor allem aus dem Norden gebe es Berichte, denen zufolge Wähler nicht abstimmen konnten, weil ihre Namen nicht auf den Wahllisten standen. Lambsdorff betonte jedoch, dass es noch zu früh für eine Bewertung sei. "Bislang", so sein Urteil am Sonntagabend "war es ein exzellenter Wahltag."
Kilometerlange Schlangen an den Wahlstationen bewiesen, dass die 4,2 Millionen Guineer nach Stabilität dürsten und die Nase voll haben von der seit der Entkolonialisierung vor 42 Jahren andauernden politischen Instabilität. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 80 Prozent. Die meisten der rund 10 Millionen Einwohner Guineas kennen lediglich schlechte Regierungsführung, Bestechung, Misswirtschaft. Sicherheit oder Kontinuität waren bislang Fremdwörter, dies könnte sich nun ändern. Auch international besteht großes Interesse an einer Stabilisierung des Landes. Guinea ist der weltweit größte Bauxit-Exporteur; zahlreiche Bergbauunternehmen sitzen bereits in den Startlöchern, um reichhaltige Eisenerzvorkommen auszubeuten.
Es sei das erste Mal, dass sie tatsächlich nicht wüssten, welcher der Präsidentschaftsanwärter das Rennen machen würde, sagte Souleymane Diallo, Redakteur der satirischen Wochenzeitung Le Lynx, nach Beginn der Auszählung. Die ersten Ergebnisse werden am Mittwoch erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass keiner der 24 Kandidaten eine eindeutige Mehrheit erhält und es zu einer Stichwahl am 18. Juli kommen wird.
Die Wahlbeobachter der Europäischen Union, der Afrikanischen Union und der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft sowie des US-amerikanischen Carter Centers riefen dazu auf, das Ergebnis abzuwarten und Ruhe und Toleranz zu bewahren. Sie wissen genau, dass in Guinea die größte Hürde noch bevorsteht, wenn nämlich die Militärjunta effektiv ihre Macht an eine demokratisch gewählte Zivilregierung abgeben muss.
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