Der frühere iranische Präsident Akbar Hashemi Rafsandschani hat am Freitag sein von der Opposition mit Spannung erwartetes Freitagsgebet in der Teheraner Universität begonnen. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt seit Wochen.
Rafsandschani begann mit einem Aufruf an die Anhänger Mussawis, die friedliche Atmosphäre des Freitagsgebets nicht durch Slogans gegen die Regierung zu stören. "Lasst uns die Gelegenheit nutzen, eine bessere Zukunft für unser Land zu schaffen, und die Probleme zu lösen, sagte Rafsandschani.
Der einflussreiche Geistliche und frühere Präsident zeigte in seinem Gebet Verständnis für die Forderungen der Demonstranten. "In der gegenwärtigen Situation ist es nicht nötig, dass wir eine Anzahl von Menschen in den Gefängnissen festhalten", sagte Rafsandschani. "Wir sollten ihnen erlauben, zu ihren Familien zurückzukehren."
Als erster ranghoher Vertreter der politischen Führung sprach Rafsandschani von einer politischen Krise, die den Iran erfasst habe. "Wir sind alle Mitglieder einer Familie. Ich hoffe mit dieser Predigt, dass wir diese schwere Phase hinter uns bringen, die durchaus als Krise bezeichnet werden kann", sagte er. Er warf der iranischen Führung vor, nicht genügend Toleranz gegenüber dem eigenen Volk zu haben.
Zudem forderte der innenpolitische Widersacher von Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine Lockerung der Pressezensur. Das Freitagsgebet wurde vom staatlichen iranischen Fernsehen nicht übertragen. Ausländischen Berichterstattern war es streng verboten, das Gebet und die Kundgebungen an Ort und Stelle zu verfolgen.
Rafsandschani ist sehr einflussreich und gilt als Unterstützer des Reformpolitikers Mir Hussein Mussawi, der bei der Präsidentschaftswahl Mitte Juni nach umstrittenen offiziellen Angaben klar gegen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad unterlegen war.
Polizei geht gegen Demonstranten vor
Hunderttausende Anhänger der Opposition sind nach Augenzeugenberichten auf der Straße, um Rafsandschani zu hören. Mittlerweile gibt es Augenzeugenberichte, wonach die Polizei massiv Tränengas gegen die Oppositionellen vor der Universität einsetze. Mehrere Demonstranten seien dort festgenommen worden. In anderen Berichten war sogar von Straßenkämpfen nahe der Universität die Rede. Bei den Kundgebungen weiter entfernt von der Universität griff die Polizei demnach nicht ein. Die Universität war von einem Großaufgebot der Sicherheitskräfte eigentlich abgeriegelt worden.
Zahlreiche Demonstranten skandierten demnach an die Adresse Ahamdinedschads gewandt: "Tod dem Diktator!" oder "Ahmadinedschad, tritt zurück!" Entlang der großen Kargar-Straße trugen Hunderte Demonstranten ein riesiges grünes Tuch als Zeichen ihrer Unterstützung für Mussawi. (rtr/dpa)
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