Nach einer Erhebung des Bundeswehrverbands schieden bereits im ersten Monat etwa 13 Prozent der neuen Soldaten wieder aus. Der Bundeswehrverband berief sich auf eine „ziemlich repräsentative“ interne Umfrage in seinen Landesverbänden, wie ein Sprecher betonte. Es sei angesichts der Zahlen über die Ausgeschiedenen „besonders wichtig, noch ehrlicher mit den Anforderungen und Risiken des Soldatenberufs umzugehen“. Zudem sollten bei der Berechnung des „Regenerationsbedarfs“ der Bundeswehr die zu erwartenden Abgänge künftig mitberechnet werden.
Das Bundesverteidigungsministerium gab dazu an, es mache sich über personelle Engpässe keine Sorgen. Die Zahlen bewegten sich in einem Bereich, „der durchaus vergleichbar ist mit den Zeiten, in denen die Wehrpflicht noch da war“, sagte Ministeriumssprecher Stefan Paris in Berlin. Er hob hervor, dass die Angaben nur grobe Schätzungen „aufgrund von Einzelmeldungen“ seien und belastbare Angaben erst Ende des Jahres vorliegen würden. Die Zahl der Ausscheidenden liege aber offenbar landesweit „in einem Maß, das durchaus vertretbar und erwartbar war“. Anfang Oktober will das Ministerium erste Trends über die Personalentwicklung bei den Freiwilligen vorlegen, wenn die die Probezeit der ersten Freiwilligen abgelaufen ist. In den ersten sechs Monaten können beide Seiten ohne Angaben von Gründen kündigen. Die nächsten Freiwilligen werden Anfang Oktober ihren Dienst antreten.
Die Gründe, aus denen die neuen Soldaten ihren Dienst quittierten, wurden in der Umfrage des Verbands nicht aufgeschlüsselt. Ministeriumssprecher Paris hob hervor, dass manche auch von Seiten der Bundeswehr entlassen würden, „weil sie die erforderlichen Leistungen nicht gebracht haben“. Andere Rekruten quittierten den Dienst, weil sie lukrativere Jobangebote erhalten hätten. Auch von Überforderung oder Unterforderung sei zu hören - manche hätten auch einfach keine Lust mehr. Der Chef des Bundeswehrbands Ost, Uwe Köpsel, sagte der Bild-Zeitung, grundsätzlich sei es besser, die Leute merkten gleich, dass die Bundeswehr nichts für sie ist, "als wenn sie es erst im Einsatz feststellen".
Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold warnte vor einem Scheitern des Freiwilligendienstes der Bundeswehr. Die Regierung müsse nachsteuern und den Dienst durch „Bonuspunkte für Studienplätze oder Praktikabescheinigungen“ attraktiver machen, sagte Arnold den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Er kritisierte auch die Werbung der Bundeswehr für den Dienst: „Es war keine ehrliche Werbung. Es wurde suggeriert: Komm zur Bundeswehr und dann stehen dir alle Türen offen. Das war eine Werbung für Technikbegeisterte, doch nicht jeder wird Tornadopilot.“
Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hofft, in den kommenden Jahren 5000 bis 15.000 Freiwillige als Ersatz für die Wehrpflichtigen anzuwerben. Die Wehrpflicht war im Zuge der Bundeswehr-Reform am 1. Juli diesen Jahres nach mehr als 50 Jahren ausgesetzt worden. Derzeit hat die Bundeswehr noch etwa 220.000 aktive Soldaten. Rund 188.000 von ihnen sind Berufs- und Zeitsoldaten. Deren Zahl soll im Zuge der Bundeswehrreform auf 170.000 sinken. (afp)
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